BII Stories

Stipendiatenberichte und Neuigkeiten von Bibliothek & Information International

Zurück zu Bleistift und Papier? – Fluch und Segen der Informationstechnologie für international agierende Journalisten

Hinterlasse einen Kommentar

Die französische Journalistin Florence Aubenas folgt der Einladung des Nationalkomitees des IFLA WLIC 2014.

Gast der heutigen Plenarsitzung war die in Belgien geborene französische Journalistin Florence Aubenas. Sie folgte der Einladung des französischen WLIC Nationalkomitees. Die Plenarsitzungen sind morgendliche Vorträge von Persönlichkeiten aus Politik, Kultur und Wirtschaft des Gastlandes, die im engeren oder weiteren Sinne mit Bibliotheken und Informationseinrichtungen zu tun haben. Ihre Vorträge dienen dazu, den KongressteilnehmerInnen unterschiedliche Perspektiven aus dem Gastland auf Bibliothek und Information zu zeigen.

Florence Aubenas ist seit fast 25 Jahren als Journalistin tätig, arbeitete für verschiedene französische Zeitungen und Zeitschriften (zuletzt Le Monde und Nouvel Observateur ) und wurde 2005 für sechs Monate im Irak entführt. Für ihr aktuelles Buch „Putze. Mein Leben im Dreck“ ging sie 2009 analog zu Günter Wallraff für Recherchen Undercover. Sie begann ihren Beruf in Zeiten von Schreibmaschine und Mikrofilm und setzt sich heute mit den Chancen und Risiken von Informationstechnologie im internationalen Journalismus auseinander.

Aubenas 

Anhand von zahlreichen Beispielen aus ihrer eigenen beruflichen Biographie verdeutlichte Florence Aubenas die Gratwanderung zwischen der gewinnbringenden Nutzung moderner Informations- und Kommunikationstechnologie und der Sicherheitsgefährdung weltweit agierender Journalisten durch eben diese. Objektivität ist für die Journalistin sehr wichtig – deshalb reist sie immer wieder in Krisengebiete, um sich von der Situation vor Ort ein Bild zu machen. Dabei ist es unabdingbar, sich immer wieder auf neue Bedingungen einzustellen. Wenn es vor Ort keinen Strom gibt, nützen sämtliche technischen Geräte nichts. Während bis vor einiger Zeit Mobiltelefone der Kommunikation dienten, ist es heute gefährlich, seine Recherchen in irgendeiner Weise sichtbar zu machen, und man gerät als JournalistIn leicht ins Visier von Onlinespionage. Dazu gehört auch, dass der Presseausweis, früher ein ähnliches Schutzschild wie das Emblem des Roten Kreuzes, Journalisten heutzutage auffällig und verdächtig macht und deshalb lieber versteckt oder gar durch Kostümierung und Maskerade ersetzt wird.

Bewegend war Aubenas’ Schilderung darüber, wie sie mit dem Sinn ihres Berufs zu hadern begann, als ihre irakischen Entführer ihr mitteilten, dass es völlig bedeutungslos sei, was sie schreibt: Kurz vor ihrer Freilassung fragte sie die Entführer, ob es sie nicht beunruhige, dass Aubenas zurück in Frankreich ein Buch über das Erlebte schreiben könne. Daraufhin lachten die Entführer sie aus und ließen sie wissen, dass es für sie vollkommen irrelevant sei, was Journalisten über sie schreiben. Sie solle ruhig ein Buch veröffentlichen; damit könne sie immerhin so berühmt werden wie Lady Di. Aubenas schrieb kein Buch über ihre Erlebnisse im Irak …

Als Fazit des Vortrags fordert Florence Aubenas dazu auf, sich bei der Nutzung von Informationen aus dem Internet eine gewisse Distanz zu bewahren und immer wieder deren Wahrheitsgehalt zu hinterfragen.

Jana Hinz und Christine Wilhelm

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s