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Wandel auf allen Ebenen

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Die heutige Sitzung „Hot topics in academic and research libraries“ zeigte, dass heiße Themen meist Themen des Wandels und der Veränderung sind. Change Management wurde hier nicht auf das traditionelle Anwendungsgebiet Organisationsstrukturen und Personal beschränkt, sondern auf die verschiedensten Bereiche bibliothekarischer Tätigkeiten und Dienstleistungen bezogen. Auch das Format der Sitzung war eine Abwandlung des klassischen Vortragsformats: Nach kurzen Impulsvorträgen diskutierten TeilnehmerInnen und ReferentInnen gemeinsam in Kleingruppen über die Aspekte von Wandel, die sie am meisten interessierten.

Dazu gehörten Fragen wie: Welche neuen Formen der Zusammenarbeit zwischen Bibliotheken sind heutzutage sinnvoll und in welcher Hinsicht müssen sich Bibliotheken ändern, um solche Kooperationen eingehen zu können? Wie schafft man in Zeiten wachsender elektronischer Nutzung den Spagat zwischen dem Anspruch, bei NutzerInnen Bewusstsein für urheberrechtliche Einschränkungen zu schaffen, und einer umfassenden Serviceorientierung von Bibliotheken, zu der auch Rechteklärung als Dienstleistung gehören sollte? Wie passen Open Access-Gebühren verschiedener Geschäftsmodelle in bibliothekarische Erwerbungsbudgets? Mit welchen Strategien können Bibliotheken die im NMC Horizon Report beschriebenen Herausforderungen meistern? Und last but not least: Was ist eine geeignete Change Management-Strategie für IHRE Bibliothek?

Louise Jones von der Chinesischen Universität in Hong Kong betonte in ihrem Vortrag, dass es eben darum gehe, eine passende Lösung für die eigene Bibliothek zu finden. Ihr Beitrag war tatsächlich der einzige von fünf, der sich den klassischen Themen von Change Management Organisationsstrukturen und Personal befasste. Sie zitierte Studien, laut denen nur 30% aller Change Management-Prozesse erfolgreich verlaufen, und stellte vier zentrale Bedingungen vor, ohne die man mit Sicherheit unter den 70% erfolgloser Veränderungsprojekte landet. Erfolgreiches Change Management braucht laut Jones:

  • Eine einleuchtende Story darüber, warum Wandel nötig ist. Und zwar nicht nur die Version der Vorgesetzten und EntscheidungsträgerInnen, sondern ebenso die Version jedes/r einzelnen/r Mitarbeiters/in.
  • Überzeugende Vorbilder; eine Anforderung, die sich vor allem an Führungskräfte richtet: Sehen Sie sich selbst als Teil des Problems? Und wie werden Sie sich verändern?
  • Funktionierende Anreizsysteme, wobei sich hier die Frage stellt, ob finanzielle oder andere, ggf. immaterielle Anreize wirkungsvoller sind. Der wichtigste Anreiz von allen ist laut Jones aber Gerechtigkeit.
  • Die Aneignung von für den Wandel nötigen Fähigkeiten, die auf jeden Fall nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch erlernt werden sollten.

In der an die Kurzvorträge anschließenden Diskussionsrunde sprach ich mit KollegInnen aus der Schweiz, Frankreich, Indien und den Karibischen Inseln über verschiedene Veränderungsprozesse in ihren Bibliotheken. Ich bin mir nicht sicher, ob ich es beruhigend, beunruhigend oder einfach ganz normal finden soll, dass sich unsere Herausforderungen und Probleme kaum voneinander unterscheiden.

 

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