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Bibliotheken im politischen Prozess

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Bibliotheken sind in vielen Ländern nicht in der öffentlichen Aufmerksamkeit. Das ändert sich, wenn sie zum politischen Symbol werden, wie beispielsweise während des Arabischen Frühlings in Ägypten, der Kriege im Irak oder der politischen Unruhen in Südafrika. Doch auch in den Industriestaaten greifen Bevölkerungsgruppen, die sich in ihrem Land nicht als gleichberechtigte BürgerInnen fühlen, staatliche Institutionen, darunter auch Bibliotheken, an. Eine Bibliothekarin aus Missouri, USA, berichtete heute im Plenum, dass ihre KollegInnen in Ferguson, wo zur Zeit bürgerkriegsähnliche Zustände herrschen, ein Schild in das Fenster der Bibliothek gehängt haben ‚Wir stehen zur Gemeinschaft‘.

Ein aktuelles Thema also, zu dem Peter Lor (University of Pretoria, Südafrika) eine umfassende Einführung gab. Sein Vortrag beschäftigte sich mit Risiken und Nutzen der Sichtbarkeit von Bibliotheken. Als Risiken benannte er Aggression, Zensur, mangelnde Ressourcen und Stagnation. Einen Nutzen in politischer Sichtbarkeit sieht Lor in einer Anerkennung bibliothekarischer Arbeit und der Tatsache, dass es ‚unter dem Radar‘ Freiheiten vor politischen Repressionen gibt. Er zitierte ein afrikanisches Sprichwort ‚Tall trees catch much wind‘ und plädierte für ein Nachdenken über die kulturellen und sozialen Aspekte der Bibliotheksarbeit.

Aus informationethischer Perspektive argumentierte Tim Huzar (Center for Applied Philosophy, Politics and Ethics, University of Brighton, UK). Er beklagte, dass in Zeiten des Neoliberalismus ethische und moralische Begriffe verschwunden sind und Bibliotheksarbeit zunehmend durch Effektivität bestimmt ist. Bibliotheken sollten sich ihrer langen Tradition erinnern: sie sind für alle Menschen offen, sie verlangen von den Menschen nichts, sie sind sichere Orte, an denen Menschen sich informieren und austauschen können. Dieser ‚radikalen Inklusion‘ sollten wir uns alle wieder mehr bewusst werden.

Vorträge über den langen Weg zu einem strukturierten Bibliothekswesen im Südafrika nach dem Ende der Apartheid und die noch ausstehende Aufarbeitung des Arabischen Frühlings in der LIS-Forschung brachten zusätzliche interessante Aspekte.

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