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E-Books gemeinsam mit NutzerInnen und anderen Bibliotheken erwerben – Geht das?

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Doug McGee von der University of Pennsylvania in Philadelphia stellte in der heutigen Sitzung „Conversion of print to electronic – impact on resource sharing“ ein Pilotprojekt vor, mit dem sieben amerikanische Universitätsbibliotheken innerhalb des Netzwerks Borrow Direct ausprobieren, wie E-Books gemeinsam über Institutionsgrenzen hinweg erworben und nutzbar gemacht werden können. Da die Nutzungsmöglichkeiten von E-Books uns derzeit auf so vielen verschiedenen Ebenen beschäftigen, will ich hier über das Projekt und die ersten Ergebnisse berichten.

 Das einjährige Pilotprojekt läuft seit einem Dreivierteljahr und McGee teilte die ersten Ergebnisse mit den TeilnehmerInnen des IFLA Weltkongresses. Ziel des Pilots war es, ein nachhaltiges Modell für den Aufbau eines gemeinsamen Bestandes für die Ingenieurwissenschaften zu entwickeln. Dabei wollte man lieber mit einem Aggregator als direkt mit Verlagen zusammenarbeiten und man wollte nutzergesteuerte Erwerbung als Komponente einbinden. Auf der Basis von Angeboten von vier verschiedenen Aggregatoren wählte man die E-Book-Plattform Ebrary als Partner. Die sieben beteiligten Bibliotheken legten auf Ebrary ein gemeinsames Guthaben von 5.000 $ pro Bibliothek an und definierten ein gemeinsames Titelprofil für die Titeldaten, die in ihre Bibliothekskataloge geladen werden sollten. Im Rahmen des Pilots wurde mit einem sehr kleinen Titelprofil von nur gut 300 Titeln gearbeitet. Diese Bücher stehen den NutzerInnen aller beteiligten Bibliotheken für ein kurzes Browsing zur Verfügung. Sobald die festgesetzte Browsingzeit überschritten wird oder die NutzerInnen Inhalte ausdrucken oder speichern möchten, wird der Kauf des betreffenden Titels ausgelöst. Als Resultat des Kaufs erhält jede der beteiligten Bibliotheken eine Einzelnutzerlizenz für den erworbenen Titel.

Bislang kann McGee berichten, dass die Mehrheit der im Rahmen des Pilots erworbenen Titel von mehreren der beteiligten Bibliotheken genutzt wird und dass der Großteil der erworbenen Titel auch innerhalb einer Bibliothek mehrfach genutzt wird. Die fachliche Relevanz der durch Nutzersteuerung ausgewählten Bücher konnte also bestätigt werden. Was die Kosteneffizienz des Erwerbungsmodells betrifft, hatten die Bibliotheken Einsparungen von 45% im Vergleich zum individuellen Erwerb von E-Books. Weniger überzeugend war bisher die Auswahl der am Pilot beteiligten Verlage: Das Titelprofil enthielt Titel von acht Verlagen, es wurden aber nur Bücher von drei dieser Verlage erworben. Auch hinsichtlich der Faktoren, die den Kauf eines Titels auslösen, gibt es laut McGee noch Verbesserungsbedarf. Bisher wurde noch nicht entschieden, ob dieses Erwerbsmodell nach Ablauf der Pilotphase fortgesetzt werden soll.

Vor dem Hintergrund hoher E-Book-Preise im Vergleich zur gedruckten Ausgabe, unzufriedenstellender Ausleihmöglichkeiten von E-Books für Bibliotheken und der fehlenden Möglichkeiten mit E-Books Fernleihe zu betreiben ist es sicher interessant, den Fortgang des Projekts zu verfolgen und zu sehen, ob sich dieses Modell der gemeinschaftlichen Erwerbung bewährt.

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