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Was haben Agentenstories und Lizenzverträge gemeinsam?

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Die heutige Sitzung „Copyright meets other legal matters“ bot drei interessante Vorträge rund um das Thema Urheberrecht und Lizenzen.

Harald Müller vom Max-Planck-Institut für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht ging mehren Versuchen von Verlagsseite nach, Preise und Nutzungsbedingungen von E-Books zu kontrollieren. Die Geschichten der Big 6, die versuchen E-Book-Preise künstlich in die Höhe zu treiben, oder des Boykotts von Bibliotheken als Kunden für E-Books durch manche Verlage lasen sich wie Agentenromane und Verschwörungstheorien. Müller ging es jedoch nicht um die Frage, ob James Bond oder Austin Powers der bessere Geheimagent im Dienste von Bibliotheken wäre, sondern darum ob es sich bei der Weigerung von Verlagen, E-Books an Bibliotheken zu verkaufen, um unlauteren Wettbewerb handelt. Um diese Frage zu beantworten, muss laut Müller zunächst geklärt werden, ob Bibliotheken als wirtschaftliches Unternehmen betrachtet werden können und, wenn ja, eine Konkurrenz für Verlage und Buchhändler darstellen. Um dies zu beantworten, wäre ein Präzedenzfall nötig, aber leider fand sich dafür in der Sitzung keine freiwillige Bibliothek.

Leslie Weir von der University of Ottawa in Kanada stellte einen neuen Standardlizenzvertrag  des kanadischen Konsortiums Canadian Research Knowledge Network (CRKN) vor. Der 2014 überarbeiteten Version wurden Klauseln für neue und sich erst langsam entwickelnde Themen hinzugefügt, die in zukünftigen Lizenzverhandlungen möglicherweise sogar eine wichtigere Rolle spielen werden als die bisher meist im Fokus von Verhandlungen stehenden Lizenzkosten. Diese Themen sind:

  • Text and Data Mining
  • Dauerhafte Zugriffsrechte
  • Offenlegung von Open Access-Inhalten in hybriden Zeitschriften
  • E-Books
  • Geeignete Metadaten und URLs, die die Einbindung in frei wählbare Discovery-Systeme erlauben
  • Die Sicherstellung, dass mit AutorInnen vereinbarte Rechte nicht den im Lizenzvertrag der Bibliothek formulierten Rechten widersprechen
  • Verschiedene Möglichkeiten, barrierefreien Zugriff anzubieten

Tomas Lipinski von der Kent State University in den USA fragte sich, welche Chancen und Risiken die Verhandlung von Lizenzen im Vergleich zu urheberrechtlichen Regelungen mit sich bringt. Als Chancen der Verhandlung von Nutzungsrechten durch Bibliotheken selbst sieht er zum Beispiel die Möglichkeit, über das Urheberrecht hinausgehende Nutzungsrechte zu vereinbaren, Standardformulierungen der Verlage zu ändern und interpretationsbedürftige Regelungen klar zu formulieren. Außerdem kann das Thema Lizenzierung und Lizenzverhandlung fruchtbar gemacht werden für übergeordnete Debatten über die Rolle und die Anliegen von Bibliotheken in unserer Gesellschaft. Kritisch sieht er dagegen, was er „Super-Verträge“ nennt, eine Kombination aus Lizenztext und Digital Rights Management, die Bibliotheken stark in der Nutzung lizenzierter Inhalte einschränkt.

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