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Konferenz: Person in digital environment. Is reading different in the 21st century? 21.-23. April in Valmiera, Joint Library, Lettland – Tag 1

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Die Bibliothek wurde vor acht Jahren mit einem neuen Konzept eröffnet. Es wurden die öffentliche und die (kleine) wissenschaftliche Fachhochschulbibliothek zusammengelegt: Die Bestände, die Beratungsplätze und die Arbeitsmöglichkeiten werden von den Bürgern der Stadt und den Studierenden gemeinsam genutzt. Lediglich einige Bereiche der Verwaltung laufen getrennt. Ziel der Zusammenlegung war, die Ressourcen zu bündeln. Dieses Konzept war damals sehr innovativ und einzig in seiner Art. Die Bibliothek ist für 28 kleinere Regional- und Schulbibliotheken zuständig. „Zuständig“ meint: Katalogisierung, Beratung und z.B. das Entwerfen von Programmen, die übertragbar sind.

Die Konferenz richtet sich an Bibliothekar/innen und Lehrer/innen aus dem ganzen Bezirk. Die Veranstalterinnen freuen sich über 80 Teilnehmer! Daiga Rokpelne, die Direktorin der Bibliothek, begrüßt die Gäste.

Der Bürgermeister der Stadt Valmiera eröffnet. Er äußert sich sehr lobend über die Arbeit der Bibliothek und das Gebäude, das sie in Valmiera „Das Schloss des Lichts“ nennen. Der Bürgermeister hatte sich vor einigen Jahren in Skandinavien über neueste Trends im Bibliothekswesen informiert und unterstützt nach Kräften die innovative Arbeit „seiner“ Bibliothek. „Bewahren, was wir haben, und sich für Neues einsetzen, damit Bibliotheken dauerhaft Bestand haben“, heißt sein Credo. Er sieht als Kernaufgabe der Bibliothek, Kindern und Jugendlichen Lust aufs Lesen zu machen auch unter Einsatz zeitgemäßer Technologien.

Eine Vertreterin der Agentur für Lettische Sprache – ein langfristiger Kooperationspartner der Bibliothek – mahnt, dass man nicht nur Autor und Text in den Mittelpunkt stellen soll, sondern den Leser, so wie es die Tagung ja tut.

Von der Lettischen Universität in Riga spricht Liene Valdmane. „What does the modern, 21st century ‚reader‘ look like?“ ist Thema ihres Vortrags, ein Teil ihrer Doktorarbeit im Fach Medienkommunikation. Sie spricht folgende Punkte an:

  • Wie sieht es mit der Lesefähigkeit der Jugendlichen in Lettland aus?
  • Analphabetismus und funktionaler Analphabetismus in Lettland
  • Entwicklungen und Auswirkungen der (Lese-)technologien
  • Möglichkeiten, Technologien für Lesepädagogik fruchtbar zu machen
  • Wie „ticken“ Jugendliche, wie konsumieren sie Texte, wie ist ihre Aufmerksamkeitsspanne etc.

Für den Vortrag „Reading habits in the digital age“ haben die Veranstalter einen Blogger und IT-Spezialisten eingeladen. Kristap Skutelis stellt die Technologieentwicklung von Buch über den E-Reader und die Smart-Watch bis hin zur Oculus Rift vor und spricht jeweils über Akzeptanz, Funktionen, Vor- und Nachteile. Dann thematisiert auch er die Herausforderungen im Hinblick auf die Generation „always on“. Seine Prognose: Das gedruckte Buch bleibt, da es sich am besten für das reine Lesen eignet. Social Reading wird sich mehr verbreiten, Autoren und Leser vernetzten sich durch gemeinsames Lesen und Schreiben. Die Idee, Bücher wirklich besitzen zu müssen, wird unwichtiger. Man erwirbt nicht das Buch, sondern die Lizenz zum Lesen.

Nach einem Suppenmittagessen aus Porzellanterrinen und netten und informativen Gesprächen beginnt der Nachmittagsteil der Konferenz.

Svetlana Spruza aus der Bibliothek Valmiera, einige ihrer Kolleginnen und einige Jugendliche stellen ein von EIFL gefördertes Projekt vor: „Read and get followers – teens and social reading“. Mit Tablets und E-Readern sollen Jugendliche zum gemeinsamen Leseerlebnis verführt werden. Die Jugendlichen selbst haben davon viele Vorteile:

  • Freunde finden
  • Leseerlebnisse haben und teilen
  • Filme drehen
  • E-Books kennen lernen und darüber diskutieren
  • Vor Publikum sprechen
  • Möglichkeit zum Lesen hat sich erweitert durch das Kennenlernen von verschiedenen Formaten

Zum Ende hin – nach anfänglicher Neugier auf die elektronischen Lesegeräte – schätzen die Jugendlichen das gedruckte Buch und seine Vorteile.

Anne Reimann aus Erlangen spricht darüber, wie man Jugendliche für den Ort Bibliothek interessieren kann. Sie fokussiert sich auf zwei Punkte:

  1. Lass sie ihre eigenen Inhalte schaffen
  2. Der Ort muss attraktiv und mit den Medien ausgestattet sein, die die Jugendlichen aus ihrer Lebenswirklichkeit kennen (Image!)

Aus Erlangen berichtet sie zum Punkt 1 das Projekt, das von „Lesen macht stark“ gefördert wird: Mittels Actionbound werden Jugendliche eine Rallye entwerfen, die für andere Jugendliche interessant ist. Zum Punkt 2 fasst sie die Social Media-Aktivitäten, das Raumangebot, die YouTube-Angebote etc. aus Erlangen zusammen.

Anja Flicker aus Würzburg spricht über das gesamte Angebot der Stadtbücherei Würzburg für Kinder und Jugendliche. Das Angebot beginnt mit den Bücherbabys und endet mit dem Recherchetraining für die Oberstufe. Bei allen Programmen werden selbstverständlich die Neuen Medien einbezogen. Ziel des Angebots ist es, die Kinder in ihrem Lebenslauf immer wieder mit der Bibliothek in Kontakt zu bringen. Ein wichtiger Baustein dabei ist die Kooperation mit Schulen. Ebenso wie in Erlangen kristallisiert sich die Wichtigkeit der Bibliothek als Ort mit Aufenthaltsqualität und medialer Infrastruktur heraus als wichtiges Angebot für Jugendliche, wie auch für alle anderen Bürgerinnen und Bürger der Stadt.

In der Diskussion wurde Anja Flicker zu Details einzelner Programme gefragt.

Beim Abendessen mit den Programmverantwortlichen und einer Vertreterin der Lettischen Nationalbibliothek konnten wir unsere Eindrücke vertiefen.

Fortsetzung morgen, Grüße von Anja Flicker und Anne Reimann

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