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Kunst in Südafrika: Tipps für kunstbegeisterte Bibliothekare

3 Kommentare

Die beste aller Freuden ist bekanntlich die Vorfreude. Und da der IFLA-Weltkongress in Kapstadt immer näher rückt, habe ich mich schon mal in meiner Bibliothek umgesehen und einiges über die zeitgenössische Kunst in Südafrika entdeckt.

Wandbemalungen in knalligen Farben, Perlenarbeiten und Spielzeug aus alten Blechdosen: Kunsthandwerk aus Südafrika kennen wir. Aber die Kunstszene? Sie ist aufregend, modern und sehr südafrikanisch!

Kunst kompakt fürs erste Kennenlernen                  

Einen umfassenden Eindruck von der zeitgenössischen Kunst Südafrikas bietet South African Art Now von Sue Williamson. Selbst Künstlerin, führt uns die Autorin durch fünfzig Jahre Kunst am Kap. Angelehnt an die bewegte Geschichte Südafrikas, porträtiert sie Künstler im Exil, beschreibt Kunst als Mittel zum Protest und Kunst, die von der Euphorie der ersten freien Wahlen geprägt ist. Williamson möchte mit ihrem Werk das kreative Potential darstellen, das Südafrika im Umwandlungsprozess findet. So beeinflusst nicht nur das traditionelle Kunsthandwerk die zeitgenössische Kunst, sondern auch Genderthemen und die Auseinandersetzung mit AIDS.

Wer einen schnelleren Einblick in die Kunstszene Südafrikas erhalten will, kann sich die Zeitschrift Art vornehmen. Anlässlich der Fußballweltmeisterschaft 2010 erschien hier eine Reportage über sechs junge Künstler, die vor Ort leben und wirken. Tenor der Porträts: Südafrika ist ein Land voller Widersprüche auf der Suche nach seiner Identität und bietet Kunstschaffenden ein überaus günstiges Klima. Die zeitgenössischen südafrikanischen Künstler werden u. a. von Galerien wie Michael Stevenson und Whatiftheworld repräsentiert. Beide befinden sich im hippen Kapstädter Viertel Woodstock, und sind jeweils in einer alten Garage und einer ehemaligen Synagoge untergebracht.

Interview Jodi Bieber

Ausschnitt aus der Zeitschrift Photonews, Mai 2013: Interview mit Jodi Bieber

Von der dokumentarischen Fotografie bis zur Fotografie als Kunstform

Dass die Fotografie eine relevante Rolle in der Kunst Südafrikas spielt, dürfte spätestens beim Blättern von Williamsons Werk auffallen. Wer sich ganz besonders für Fotografie interessiert, kann sich Figures and Fictions vornehmen, einen Ausstellungskatalog des Victoria & Albert-Museums: Siebzehn südafrikanische Fotografen durften ihre zwischen 2000 und 2010 erstellten Arbeiten – überwiegend Porträtserien – in London ausstellen.

Das Willy-Brandt-Haus Berlin organisierte die Ausstellung Südafrikanische Fotografie 1950-2010, die eher einen historischen Überblick zu vermitteln suchte. Der Katalog enthält eindringliche Bilder aus dem Alltag während der Apartheid. Sie halten die Entwicklung bis zur Befreiung Mandelas aus der Haft und den ersten freien Wahlen fest. Das alles aus der Sicht südafrikanischer Fotografen.

Südafrikanische Künstler in der KMB

Kennen Sie z. B. den Johannesburger Nicholas Hlobo? Er setzt sich mit seiner Homosexualität und seinen kulturellen Wurzeln auseinander und betitelt Installationen und Skulpturen stets in seiner Muttersprache isiXhosa. Und Nandipha Mntambo? Die Kapstädterin, ursprünglich aus Swasiland, stellt in ihren Arbeiten die traditionelle Rollenverteilung in Frage. Sie kreierte beispielsweise eine Installation aus Kuhhäuten, in die sie ihre eigene Körperform eingeprägt hatte.

Sie können auch den Fotografen Pieter Hugo entdecken, der z. B. eine eindrückliche Porträtserie über Tagelöhner auf einem Elektroschrottplatz in Ghana machte. Oder Mikhael Subotzky, der bereits in seinen Zwanzigern Mitglied der Agentur Magnum Photos wurde. Er beeindruckt mit einer Serie über den Häftlingsalltag im Gefängnis Beaufort West.

Pieter Hugo

Künstlerdossier über Pieter Hugo aus der Kunst- und Museumsbibliothek Köln

Wie wär‘s mit einem Museumsbesuch in Kapstadt?

Ein Besuch in der South African National Gallery lohnt sich. Dort kann z. B. die Skulptur The Butcher Boys von Jane Alexander bestaunt werden. Ab dem 28. August ist Fotografin Jodi Bieber mit der Retrospektive 1994-2004 Between Darkness & Light anwesend. Bieber erhielt 2010 den World Press Photo Award für das Porträt einer jungen Afghanin mit schwer entstelltem Gesicht.

Kunstbegeisterte können sich vorab unter http://artthrob.co.za/ über die Ausstellungen informieren, die während der IFLA-Konferenz in Kapstadt stattfinden.

Bis zum 22. August stellt die Galerie Seippel in Köln Werke des Fotografen Cedric Nunn aus: Unsettled – 100 Jahre Widerstand der Xhosa gegen weiße Landnahme und die Folgen bis heute.

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Bildnachweis Beitragsbild: „South Africa National Gallery“ von I, PhilippN. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons - https://commons.wikimedia.org/wiki/File:South_Africa_National_Gallery.jpg#/medi/File:South_Africa_National_Gallery.jpg
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3 Kommentare zu “Kunst in Südafrika: Tipps für kunstbegeisterte Bibliothekare

  1. Vielen Dank für diese Einblicke und einen schönen und erlebnisreichen Aufenthalt in Kapstadt!

  2. Pingback: Kunstbibliotheken | BII Stories

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