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Click Languages – Klick-Sprachen: afrikanisches Kulturerbe

Ein Kommentar

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Ein großes Thema auf der diesjährigen IFLA-Konferenz ist u.a. die Bewahrung des Kulturerbes. In Afrika spielt dies eine sehr große Rolle, beheimatet dieser Kontinent doch eine Vielzahl unterschiedlicher Völker mit unterschiedlichen Traditionen, mit ihrer jeweiligen eigenen Geschichte und mit eigenen Sprachen.

Mir war nicht bewusst, wie viele unterschiedliche Sprachen allein in Südafrika zu Hause waren. Und das ist der Punkt, viele waren es, existieren nicht mehr oder werden nur noch von wenigen Menschen gesprochen. Das Problem ist, dass wir von den meisten dieser Sprachen keine handschriftlichen Zeugnisse besitzen bzw. es gar keine schriftliche Überlieferung gibt. Inzwischen sind viele afrikanische Sprachen ausgestorben. Es sind tote Sprachen. Quasi wie Latein, war mein erster Gedanke. Aber die lateinische Sprache hat eine bis in das 19. Jahrhundert hineinreichende schriftliche Tradition und Überlieferung, afrikanische dagegen nur die mündliche.

Wie Linguisten heute versuchen, diesen Sprachen ein Gedächtnis, eine Erinnerung zu geben, davon bekamen die Teilnehmer des Satellite Meeting „Managing and Promoting Special Collections in Africa: The Bleek-Lloyd Collection and Beyond“ am vergangenen Freitag einen eindrucksvollen Einblick. Besonders die sehr lebendige Präsentation der sog. Klicksprachen von Matthias Brenzinger, Direktor des Center for African Language Diversity (CALDi) und Kurators von The African Language Archive (TALA), hat gezeigt, welche Bedeutung vor allem die Archive für die Aufbereitung afrikanischer Geschichte haben. In diesem Fall ließ Brenzinger die bereits verlorene Klicksprache ǀXam wieder aufleben, welche durch Dokumentationen der linguistischen Forschungen des Anthropologen Wilhelm Bleek, seiner Schwägerin Lucy Lloyd und schließlich seiner Tochter Dorothea Bleek Ende des 19./Anfang des 20. Jahrhunderts eine schriftliche Überlieferung haben.

In der Bleek-Lloyd Collection werden unzählige Notizbücher mit über 12.000 Seiten aufbewahrt, in denen die Bleeks und Lucy Lloyd die Klicksprache in das Englische übersetzen, mit ganz spannenden Ergebnissen. Diese für die Sichtbarmachung afrikanischen Kulturerbes so bedeutende Sammlung gehört zu den 23 afrikanischen Sammlungen, die von der UNESCO in das World International Register als „documentary heritage“ aufgenommen wurde. Wie viele der anderen in Afrika aufbewahrten Sammlungen, ist die Bleek-Lloyd Collection keine wirklich „afrikanische“ Sammlung, aber eine, die afrikanisches Kulturerbe in einzigartiger Weise dokumentiert. Dies macht sie so wertvoll und unbedingt erhaltenswert. Die Sammlung wird in der University of Cape Town (UCT) aufbewahrt, erschlossen und digitalisiert. In den vergangenen Jahren hat das Team um Pippa Skotnes, Direktor des Center for Curating the Archive (CCA) an der UCT, die Sammlung digital zugänglich und diese in Ausstellungen und Publikationen sichtbar gemacht.

PS: Den Beitrag habe ich am Laptop eines sehr freundlichen Hotelmitarbeiters geschrieben, da ich am instabilen Internetzugang des Hotels verzweifelt bin. Wir kamen ins Gespräch und ich erzählte ihm von dem Kongress und worueber ich gerade schreibe. „Afrikanische Kultur?“ fragte er und ich hatte das Gefühl, er lacht mich aus. „Was ist afrikanische Kultur?“ schob er hinterher. Auf meine Frage, woher er kommt, antwortete er: „Aus Simbabwe“, und lachte wieder, und ich meinte, gleich würde er sagen: „Die spinnen doch, die Bibliothekare.“

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Autor: ATheise

Librarian, Rare Books, Art Books, Special Collections, Latin Poetry 16th/17th century, Emblems, Printer Devices, Hamburgensia, Bookbinding

Ein Kommentar zu “Click Languages – Klick-Sprachen: afrikanisches Kulturerbe

  1. Pingback: Rückblick auf das IFLA Satellite Meeting der Rare Books and Special Collections Section | BII Stories

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