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Besuch in den Gefängnissen Goodwood und Drakenstein in Kapstadt

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Waren Sie schon einmal im Gefängnis? In Deutschland hatte ich bisher nicht das „Vergnügen“. Dies konnte ich in Südafrika gleich doppelt nachholen. Der Zufall wollte es, dass ich im Juli mit Gerhard Peschers, Gefängnisbibliothekar in der JVA Münster, ins Gespräch kam. Gerhard, gut vernetzt in der Gefängniswelt, hatte im Vorhinein über das Goethe-Institut in Johannesburg zwei Besuche in Gefängnisbüchereien in Absprache mit der Strafvollzugsbehörde arrangieren können und organisierte es auch, dass ich ihn begleiten durfte.

  Der erste Stopp war Goodwood Correctional Centre. Als wir in die Bücherei traten, schauten uns ungefähr zehn Häftlinge neugierig an. Dies wirkte erst einmal etwas einschüchternd, legte sich allerdings schnell, was auch an der freundlichen, relaxten Atmosphäre in der Bücherei lag: Ein lichtdurchfluteter Raum, der nicht nur als Bücherei sondern zugleich als Sozialraum genutzt wird. So spielten einige Häftlinge gerade Schach oder malten Bilder.

Auch der zweite Gefängnisbesuch im Drakenstein Correctional Centre vermittelte uns den Eindruck eines fortschrittlichen Südafrikas, da es auf dem ersten Eindruck modern und in guter Verfassung wirkte. Der Gefängnisphilosophie in Südafrika ist das Besondere der jungen demokratischen Geschichte seit der Präsidentschaft Nelson Mandelas nach seinem „langen Weg zur Freiheit“ anzumerken, so dass behandlerische Angebote zur Resozialisierung und Bildung gefördert werden. Dies ist auch daran ersichtlich, dass nicht mehr von ‚prisons’ und ‚prisoners’ sondern von ‚correctional centres’ und ‚inmates’ gesprochen wird. Reintegration soll nun vor allem durch Leseförderung und Weiterbildung gelingen. So gibt es z. B. Das Programm ‚Reading for Redemption’, in dem Häftlinge durch Lesen ihre Haftstrafe verkürzen können. Außerdem existiert ein großes Studienprogramm in Kooperation mit der University of South Africa (UNISA). Dieser progressive Ansatz lässt sich dadurch erklären, dass viele Regierungsmitglieder der Post-Apartheid-Ära selbst Zeit im Gefängnis verbracht haben und in Gefängnissen den gedanklichen Grundstein für ein neues, vereintes Südafrika gelegt haben. Mandelas Werdegang vom Häftling zum Präsident ist hierbei nur das bekannteste Beispiel. Drakenstein ist auch vor allem dadurch bekannt, weil er hier seine letzten 14 Monate von insgesamt 27 Jahren im Gefängnis verbracht hat. Als Highlight bekamen Gerhard und ich sogar eine private Führung durch Mandelas ehemaliges nicht öffentlich-zugängliches Haus im Gefängnisareal. Ein unvergessliches Erlebnis!

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