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Bibliotheksbesuche zum Abschluss der WLIC/IFLA 2015 in Südafrika

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Am 21.August habe ich noch an einer Bibliothekstour in den Großraum Stellenbosch teilgenommen.

Stationen waren die Schulbibliothek Klapmuts, die Containerbibliothek in Groendal sowie die Stadtbibliothek von Franschhoek.Die Schulbibliothek Klapmuts wurde vor vier Jahren eingeweiht und dient am Vormittag auch als öffentliche Bibliothek für die dörfliche Bevölkerung. Dafür gibt es auf der auf dem Schulgelände gesichert untergebrachten Einrichtung einen weiteren Eingang extra für die Bewohner.

Neben unfangreichen Informationsmaterialien für die Schülerinnen und Schüler ist der weitere Bestand jedoch recht gering. Die technische Ausstattung mit Laptops für die Schüler und einem Smartboard konnte auch für Unterrichtszwecke genutzt werden.

In Südafrika gibt es eine Schulpflicht bis 15 Jahre.

Der Besuch ausländischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare wurde politisch als wichtig eingestuft, denn nicht nur der Schulleiter sondern auch der Bürgermeister von Stellenbosch waren zur Begrüßung erschienen.

Der Bürgermeister begleitete unsere Gruppe auch zum nächsten Stop, einer Containerbibliothek in Groendal, einem kleinen Ort mit überwiegend schwarzer Bevölkerung. Von innen sieht die Bibliothek wie eine Fahrbücherei aus, zum Teil aber mit nicht sehr aktueller Lektüre. Gegenüber des jetzigen Standorts ist ein Neubau für das kommende Jahr geplant. Derzeit sind die Öffnungszeiten und die Nutzung gering, was sicherlich dem Bestand zuzuschreiben ist. Im Neubau, der ein städtisches Kommunikationszentrum mit weiteren Veranstaltungsräumen werden soll, ist eine Attraktivitätssteigerung geplant. Bleibt zu hoffen, dass dann auch für interessante und aktuelle Bestände gesorgt wird.

Letzter Besichtigungsstopp – inzwischen fuhr der Bürgermeister schon bei uns im Bus mit und nicht mehr in seiner gesicherten Limousine –  war die öffentliche Bibliothek in Franschhoek. „Franzosenecke“ bedeutet der Name übersetzt, da sich 1688 rund 200 Hugenotten in der Nähe einer niederländischen Farm niederließen und bereits nach einer Generation nicht mehr französisch sprachen, sondern Afrikaans. Unter den französischen Einwanderern befanden sich auch etliche Winzer, die schon bald die geschützte Lage als ideal für den Weinbau erkannten. Heute gehört es zu einem der besten Weinanbaugebiete Südafrikas mit den höchsten Immobilienpreisen des Landes. Der Ort mit heute rund 16.000 Einwohnern wirkt zumindest an seiner Hauptstraße durchaus noch französisch. Ein großes Hugenotten-Denkmal erinnert noch an die Vergangenheit.

Die Bibliothek wurde 1892 mit 1010 Büchern für 35 eingeschriebene Mitglieder eröffnet. Die Öffnungszeiten damals: Eine Stunde an zwei Tagen die Woche. Das hat sich natürlich geändert. Jetzt gibt es Öffnungsstunden täglich außer Sonntags immer mit einer Mittagspause von 13 – 14 Uhr. Für den Besuch der IFLA-TeilnehmerInnen war die Bibliothek extra geschlossen worden. Der Bürgermeister hatte sich inzwischen seiner schweren Amtskette entledigt und plauderte angeregt mit den Gruppenmitgliedern. Unter den Weingut-Besitzern gibt es in der Stellenbosch-Gegend bisher erst einen schwarzen Eigentümer. Nach der Abschaffung der Apartheid hat sich zwar das politische System und die politischen Verantwortlichkeiten geändert; die Besitzverhältnisse sind aber die Gleichen geblieben.

Bibliothekarische Innovationen waren auf dieser Tour nicht unbedingt zu erwarten. Liebenswert war aber die unglaubliche Gastfreundschaft in allen Einrichtungen und das starke Bemühen, Bildung durch die Bibliothek in die Bevölkerung zu tragen. Welchen schönere Auftrag kann es geben.

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Autor: ULang

Networker and librarian

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