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„3D-Drucker sind das nutzloseste Gerät in einem Makerspace“

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In der ersten Session der Sektion Library Theory and Research drehte sich alles um partizipative Projekte in Bibliotheken. Unter dem Titel „Participatory Projects in Libraries: connecting collaborative communities“ wurden passend zum Konferenzthema Studien aus Island, Taiwan, den USA und Kroatien vorgestellt. Im Folgenden werden zwei davon näher beschrieben.

Andrea Wyman von der Baron-Forness Library (USA) berichtet von der besonderen Situation in Island, einem Land von LeserInnen: 96 % der Bevölkerung haben Zugang zum Internet, die Nutzung von Social Media ist eine der höchsten in der ganzen Welt und die Alphabetisierungsrate liegt bei 100 %. Auf der Rangliste der beliebtesten Weihnachtsgeschenke liegen Bücher auf dem ersten Platz.

Trotzdem sagten in einer Umfrage 92 % der befragten Bibliotheken, dass sie einen engeren Kontakt mit ihren NutzerInnen aufbauen müssen, um deren Wünsche und Bedürfnisse besser kennenzulernen. Ein Großteil der Bibliotheken möchte dies auch durch Programmarbeit erreichen, wobei diese die verschiedensten Formen annehmen kann: Eine Bibliothek veranstaltete zum Beispiel Kulturabende im April, an denen jeweils ein bestimmtes Land vorgestellt wurde. Zur Unterstützung kontaktierten die BibliothekarInnen die jeweiligen Botschaften, was durchaus produktive Resultate hervorbrachte. So sandte eine Botschaft einen Vertreter in die Bibliothek, der umfassende Proben des landestypischen Vodkas mitbrachte – der entsprechende Kulturabend wurde als ein voller Erfolg beschrieben. Eine andere Bibliothek veranstaltet einmal in der Woche einen Markttag zusammen mit einem Secondhandladen.

Grundsätzlich befindet sich auch das ganze isländische Bibliothekswesen in einem umfassenden Wandel. Tiefgreifenden Etatkürzungen wird mit Kreativität begegnet. So werden Bibliotheken zunehmend nicht mehr in eigenen Gebäuden untergebracht, sondern teilen sich ein Gebäude mit Anderen – zum Beispiel mit Schulen, Supermärkten oder einer Feuerwache und profitieren so auch von der zusätzlichen Laufkundschaft. Einige Themen, die als wichtig für die zukünftige Aus- und Weiterbildung von BibliothekarInnen angesehen werden, sind entsprechend auch: Veranstaltungsmanagement, Changemanangement, das Schreiben von Berichten und Verhandlungstraining.

In einem weiteren Vortrag berichtete Shannon Crawford Barniskis von der University of Wisconsin-Milwaukee unter dem Titel „Creating Space: The Impacts of Spatial Arrangements in Public Library Makerspaces“ von ihrer Forschung zur Raumgestaltung im Makerspace. Hier wurde auch die Aussage aus dem Titel getroffen: 3D-Drucker seien die nutzlosesten Geräte in einem Makerspace. Andere Objekte, wie Geräte zur Tonaufnahme, Nähmaschinen, Lasercutter oder ein Raspberry Pi hätten einen viel größeren unmittelbaren Nutzen für die BesucherInnen der Bibliothek.

Die Vortragende konnte in ihren Untersuchungen mehrere Punkte identifizieren, durch die die räumliche Gestaltung von Makerspaces deren Nutzung und Wahrnehmung beeinflusst: So sollten Räume frei zugänglich und einladend gestaltet werden. Auch sollten Arbeitsplätze flexibel und von ausreichender Größe sein, damit NutzerInnen ihre Kreativität entfalten können. Schließlich sollten Kontrollmechanismen und Verbote gut überlegt werden. Aus der Art und Weise, wie die NutzerInnen diese Kontrollmechanismen und Verbote umgehen, lassen sich jedoch einige Rückschlüsse auf ihre tatsächlichen, teils durchaus noch unbewussten, Bedürfnisse und Wünsche ziehen.

In ihren Schlussfolgerungen führte die Vortragende unter anderem auf, dass ein strikter Fokus auf die Objekte im Makerspace nicht dazu führen sollte, dass die sozialen, kollaborativen und kreativen Aspekte des Raums vernachlässigt werden. Ein guter Weg, um einen Raum für die NutzerInnen einladend zu gestalten, ist auch, ihn einfach mit Menschen zu füllen. So könnten beispielsweise ehrenamtliche Mitarbeitende im Raum platziert werden.

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