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Google als Verbündeter der Bibliotheken?

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Als BibliothekarInnen sind wir es gewohnt, die Aktivitäten des Internetgiganten Google kritisch zu betrachten und zu Recht warnen wir vor der „filter bubble“, dem ungehemmten Datensammeln und der Bedrohung der Privatsphäre. Doch es gibt auch Kooperationen zwischen Google und Bibliotheken, wie etwa beim Google Books Projekt.

In der diesjährigen President’s Session beim WLIC argumentierte Fred Von Lohmann, Copyright Legal Director bei Google USA, dass Google und Bibliotheken mehr gemeinsame Anliegen haben. So stellte er fest, dass Googles Mission Statement „Das Ziel von Google ist es, die Informationen der Welt zu organisieren und für alle zu jeder Zeit zugänglich und nutzbar zu machen“ eigentlich nur das zusammenfasst, was BibliothekarInnen schon seit Jahrhunderten tun. Und im Bereich des Urheberrechts hätten beide Seiten heute ähnliche Anliegen.

Von Lohmann führte aus, dass das Urheberrecht aus einer Zeit stammt, in der die Technologie (oder deren Fehlen) das Haupthindernis für die Verbreitung urheberrechtlich geschützter Werke war. Die Regulierungen machten Sinn in einer Zeit, als nur wenige Industriezweige, wie Druckereien und Verlage, überhaupt davon betroffen waren. Einzelpersonen und BibliotheksbenutzerInnen blieben vom Urheberrecht unberührt. Doch in unserer Zeit „in der jeder eine Druckerpresse besitzt“ und jedes Mobilgerät permanent Kopien anfertigt, werden die bestehenden Regelungen der Realität nicht mehr gerecht. Wenn Privatpersonen durch das Erstellen eines Memes oder das Posten eines Selfies vor dem Eifelturm bei Nacht kriminalisiert werden, stimmt etwas mit unseren Gesetzten nicht.

Fred Von Lohmann sprach sich daher für flexible Einschränkungen und Ausnahmen aus, anstelle von starren Vorgaben. Diese sind nicht vordefiniert, sondern variieren je nach Sachlage, wie dies teilweise beim Amerikanischen „Fair Use“ bereits der Fall ist. Zwei Prinzipien schlägt er dafür vor:

  • anderer Zweck
  • kein Schaden

So dient z.B. ein Meme mit einem Ausschnitt aus Austin Powers einem anderen Zweck als der Austin Powers Film, einem Zweck an den die Macher des Films gar nicht gedacht hatten und es verursacht keinen Schaden für die Vermarktung des Films.

Bibliotheken und Google stimmen sicherlich darin überein, dass das Urheberrecht in seiner jetzigen Form reformiert werden muss, doch die Interessen, die dabei verfolgt werden, sind doch gänzlich andere. Bibliotheken müssen in dieser Diskussion mit an den Tisch, um das Feld nicht allein den Internetriesen zu überlassen. Wenn wir diese dabei als Verbündete gewinnen können, ohne unsere ureigensten Interessen und die unserer NutzerInnen zu verraten – warum nicht?

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