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Neues aus der Welt der Dezimalklassifikation

Ein Kommentar

Beim schon traditionellen International Dewey Breakfast wurde über neue Entwicklungen bei der DDC berichtet. Begrüsst wurden die mehr als 40 Teilnehmer/innen aus aller Welt von Rebecca Green, die mehr als ein Jahr nach der Ablösung des bisherigen deutschen Editors-in-Chief, Michael Panzer, vor kurzem als neue „Dewey Editorial Program Manager“ benannt wurde. Hintergrund sind die Restrukturierungen bei OCLC, das die Rechte an der DDC innehat und die internationale Infrastruktur der DDC unterhält.

Rebecca Greens neue Aufgabenbeschreibung ist Ausdruck einer veränderten Arbeitsteilung: Die inhaltliche Arbeit der DDC-Redaktion wird künftig allein von der Library of Congress aus koordiniert, die durch Alex Kyrios verstärkt wird. In der OCLC-Zentrale in Dublin, Ohio, wird die DDC enger als bisher in das Produktportfolio des WorldCat integriert: Die DDC gehört künftig zum Geschäftsbereich von Marti Heymann, die vor kurzem von Cengage Gale als „Executive Director of Worldcat(R) Operations“ zu OCLC gewechselt ist. Verantwortliche Dewey-Produktmanagerin ist jetzt Sandi Jones, eine langjährige OCLC-Mitarbeiterin aus dem WorldCat-Team.

In ihrem Auftaktvortrag stellte Rebecca Green dar, wie sich die Entscheidung, künftig auf die Druckausgabe der DDC zu verzichten, auf die regelmäßige Aktualisierung der Klassifikation auswirkt. Während bisher in einem siebenjährigen Redaktionszyklus alle DDC-Klassen regelmäßig auf ihre Aktualität geprüft wurden, soll die Arbeit jetzt aufgrund von statistischen Auswertungen priorisiert werden. Überarbeitet werden vor allem Klassen, die häufig vergeben werden und eine erkennbar zu geringe Unterteilung in Unterklassen haben. Als erste Kandidaten wurden genannt die Klassen

  • 158.1 Personal improvement and analysis
  • 006.3 Artificial intelligence
  • 005.1 (Computer) Programming
  • 248.4 Christian life and practice
  • 658.4092 Executive leadership

In drei weiteren Vorträgen wurden dann Konkordanzprojekte vorgestellt, die den Mehrwert der inhaltlichen Erschließung mit Normdaten verbessern können, wenn sie den in die Recherchesysteme integriert werden.

Diane Vizine-Goetz von OCLC Research stellte die Vernetzung des FAST-Vokabulars (Faceted Application of Subject Terminology) mit der Wikipedia vor, die als Linked Data publiziert werden. Damit verbessern sich die Möglichkeiten einer treffsicheren Recherche über verschiedene Sprachkreise erheblich.

In Europa nimmt dagegen – zehn Jahre nach der Einführung der DDC im deutschen Sprachraum – die Arbeit an DDC-Konkordanzen mit den nationalen Sacherschließungssystemen endlich Fahrt auf. Unni Knutsen von der Universitätsbibliothek Oslo berichtete über die Aktivitäten der European Dewey Users Group und das aktuelle norwegische Konkordanzprojekt. Auf der Grundlage des neuen ISO-Standards 25964-2 hat die EDUG im vergangenen Jahr in Zusammenarbeit mit den DDC-Herausgebern Empfehlungen für die Erarbeitung von DDC-Konkordanzen erstellt, die im Anschluss an das diesjährige Treffen in Göttingen  veröffentlicht wurden.

Anschließend stellte Peter Werling (Pansoft) den CC Mapper, ein neues Software-Tool für die Konkordanzarbeit, vor. Er wurde für die UB Oslo entwickelt, die zwischen der norwegischen verbalen Sacherschließung Humord und der DDC eine Konkordanz erstellt. Die Software ist aber so angelegt, das sie ohne großen Aufwand auch für andere Konkordanzen adaptiert werden kann und verfügt über ein User-Interface, das an den Webdewey-Desktop erinnert und mit ihm interoperabel ist. Durch Auswertung vorhandener Katalogdaten wird die Konkordanzarbeit erheblich unterstützt, denn CC-Mapper bietet den Redakteuren vorrangig die Klassen mit der höchsten statistischen Ähnlichkeiten zur Verknüpfung an.

Vielleicht hilft der CC-Mapper auch dabei, die seit zwei Jahrzehnten immer wieder geforderte DDC-RVK-Konkordanz endlich auf den Weg zu bringen? Erst dann kann nämlich die Sacherschließung der DNB die Früchte tragen, die sich die Initiator/innen der DDC deutsch in den 1990er Jahren von der DDC-Einführung versprochen haben.

 

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Ein Kommentar zu “Neues aus der Welt der Dezimalklassifikation

  1. „Die seit zwei Jahrzehnten immer wieder geforderte DDC-RVK-Konkordanz“ sind bereits auf dem Weg 🙂
    Das VZG-Projekt coli-conc beschäftigt sich seit 2011 mit der Konkordanzerstellung, vorrangig zwischen der DDC und RVK und hat bisher für ca. 16,4 % der DDC Klassen intellektuell Mappings erstellt. Und seit Dezember 2015 ist coli-conc ein DFG-gefördertes Projekt für die Entwicklung einer Infrastruktur für den Austausch, die Wartung und die semiautomatische Erstellung von Konkordanzen zwischen bibliothekarischen Wissensorganisationssystemen. Näheres auf der coli-conc-Homepage (http://coli-conc.gbv.de/) und der Stand der Entwicklung des Projekts seit 2012 wurde fortlaufend in der VZG Aktuell berichtet. Auf der bevorstehenden Verbundkonferenz 2016 in Rostock wird Herr Diedrichs (Direktor der VZG) das Projekt vorstellen und der aktuelle Stand ist in der neuesten Ausgabe der VZG Aktuell (02_2016) nachzulesen (https://www.gbv.de/Verbundzentrale/Publikationen/broschueren/vzg-aktuell/VZG_Aktuell_2016_02.pdf).

    Herzliche Grüße

    U. Balakrishnan

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