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IFLA WLIC 2016, 15. August: Presidential Meeting, Trend report.

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Das Update des IFLA Trend-Reports ist der Hintergrund dieser Session: http://trends.ifla.org/update-2016 . Es enthält Case-Studies aus verschiedenen Ländern. Der Trend-Report deckt folgende Themen ab:

  • New Technologies will both expand and limit who has access to information.
  • Online Education will democratise and disrupt global learning.
  • The boundaries of privacy and data protection will be redefined..
  • Hyper-connected societies will listen to and empower new voices and groups.
  • The global information environment will be transformed by new technologies.

1.Mark Surman von der Mozilla Foundation spricht u.a. über die zunehmende Zentralisierung des bisher einigermaßen freien Internet. Nur wenige Player dominieren den Geräte- und Servicemarkt. ZB. Android hat bei Smartphone Betriebssystemen in den USA einen Anteil von 58%, in Indien 91%. Gerade im den aufstrebenden globalen Süden dominiert Android den Markt deutlich. Die Zentralidierung und Oligopolisierung zeigt sich auch bei den App-Herstellern, deren globale Verteilung gering ist. “Anstelle” des Internet wird von Millionen von Smartphone-Nutzern nur Facebook genutzt. “Die Gesundheit des Internet ist in Gefahr”.

2.Fred von Lohmann,  Google – Anwalt, spricht über die weltweite Urheberrechtssituation und setzt sich für weitere Schranken und flexibles Fair Use aus. Er das international Abkommen “Trans Pacific Partnership” al sein gutes Beispiel für die zumindest regionale Fixierung von Fair Use-Verpflichtungen im pazifischen Raum.

Naja: Bisher kannte ich das Abkommen nur als eher negatives Exempel für die Festschreibung hoher Urheberrechtshürden. Darin wird nämlich (über andere international Verträge hinaus) die hohe Schuzzfris von 70 Jahren nach dem Tod des Autors fixiert. Insgesamt ist die Motivation für Googles Lobbyismus für weite Schranken eine komplett andere als die der Bibliotheken: Für Google als das Unternehmen miot der weltweit größten Rechnerkapazität bedeutet freie Nachnutzbarkeit ja auch, dass sie selbst ihre Inhalte ausbauen können, dadurch mehr Nutzer auf ihre Services bringen, diese durchleuchten und dann personalisierte Werbung verkaufen können. Google´s Wunsch “We want to organize the world`s information” ist auf dem Weg zur weiteren Optimierung des Nutzer-Trackings nur ein Zwischenziel. Lustig, dass von Lohmann als seine größte Angst die Zentralisierung des Internet bezeichnet.

  1. In Jack Cushmans (Harvard University) Beitrag “Chewing on digital objects” gibg es vor allem darum, wie wir digitale objekte fuer alle interessanter und nachnutzbarer machen. Er hat dafür ein paar Hinweise und Beispiele parat: Sicher zitieren aus internetquellen wird z.B. durch den Service von https://perma.cc/ möglich: Die Quellen werden dort gespeichert und können dauerhaft abgerufen werden. Wenn die Ursprungs-Ressource ihren Speicherort ändert oder verschwindet, bleibt sie dort zugänglich. Nach US- Urheberecht ist das Speichern fuer solche archiv- und Forschungszwecke erlaubt, jedenfalls solange, bis der Urheber die Entfernung verlangt.

Ein Beispiel für kreative Digitalisierung und Nachnutzung ist “Ravellaw”: Ein Kooperationsprojekt zur kompletten Digitalisierung des US case-law. Das temporäre Auseinandernehmen erlaubt einen um ein Vielfaches beschleunigten Scan. Da es sich (Gerichtsentscheidungen) vorwiegend um gemeinfreie Inhalte handelt, dürfen sie in jeder erdenklichen Weise weiter genutzt werden.

  1. Laura Marx vom IMLS (institute for Museum and Library Services) ruft angesichts der weltweiten Krisen und Konflikte zu stärkerem library activism auf: Sie können z.B. dabei helfen, eigene Spezialarchive, z.B. Cleveland Police Violence, aufzubauen (“documenting the now”)

Auf den ersten Blick eine gute auch für Bibliotheken in Deutschland: Wenn Forschungsbibliotheken das wissenschaftliche Publizieren in die eigene Hand nehmen wollen, wieso sollen Öffentliche Bibliotheken nicht dabei helfen, lokale Entwicklungen zu dokumentieren und dauerhaft zugänglich zu Machen, als Ergänzung der Informationen aus Tageszeitungen ?

Als grundsätzliche Aufgabe der Bibliotheken sieht Marx auch den Widerstand gegen die (weitere) Zentralisierung des Internet durch große kommerzielle Plattformen.

Damit liegt sie meiner Ansicht nach vollkommen richtig, denn Bibliothekare müssen Ihre Arbeit im Kontext der sie umgebenden Medienwelt sehen: Die Plattformen sind zu information gatekeepers geworden. Wer welche Informationen an welcher Stelle erhält, ist von privatisierten und intransparenten pageranks abhängig.

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