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„Viele Forschende würden lieber ihre Zahnbürste teilen als ihre Daten.“

Ein Kommentar

Gestern fand unter dem Titel „Looking beyond conventional information: big, open, and research data“ die erste Session der 2015 neu gegründeten Special Interest Group (SIG) Big Data statt. Das Ziel der SIG ist, sich mit Fragestellungen zum Thema Big Data und den Auswirkungen der aktuellen Entwicklungen auf Bibliotheken näher auseinanderzusetzen. Der Fokus für die Jahre 2016/17 liegt daher auf drei Punkten: der aktiven Diskussion mit den anderen Sektionen der IFLA, der Erstellung eines Webinars und/oder eines Forschungsberichts und der Etablierung zweier Arbeitsgruppen zu den Themen Datenkompetenz und Werkzeuge bzw. Techniken für Data Science in Bibliotheken.

Nach einer kurzen Einführung zum Thema Big Data gab Susan Reilly, Executive Director der Ligue des Bibliothèques Européennes de Recherche (LIBER) einen kurzen Einblick in „Europe’s transition to Open Science“. Open Science kann auf verschiedene Art und Weise definiert werden; ein Beispiel lautet:

„The practice of science in a way that others can collaborate and contribute, where research data, lab notes and other research processes are freely available, with terms that allow reuse, redistribution and reproduction of the research, its underlying data and methods.“ (Quelle)

Ein Punkt, der auch zu Open Science hinzugehört, aber in dieser Definition fehlt, ist die Öffnung der Wissenschaft für neue Zielgruppen. Ein Punkt also, an dem sich Bibliotheken positionieren und einbringen können. Um die Vortragende zu zitieren: „We as libraries should be engaging citizens in science.“

Als Ansatzpunkte, in denen Bibliotheken sich in die Debatte einbringen können, wurden verschiedenste Themenfelder genannt, zum Beispiel Open Access & Urheberrecht, Citizen Science, Peer Review und New Metrics.

Generell steckt in Europa zurzeit auch viel politischer Wille hinter dem Konzept Open Science:

  • Im Förderprogramm Horizon 2020 ist Open Access inzwischen vorgeschrieben.
  • Es laufen Planungen für eine European Open Science Cloud, einer europaweiten Cloud-Infrastruktur, in der freie Daten zur Verfügung gestellt werden sollen.
  • Im Mai 2016 verpflichteten sich alle Mitgliedsstaaten der EU hin zu Open Science zu transformieren.
  • Bis 2020 soll Open Access in Europa zur Standardpublikationsmethode werden.
  • Datenmanagementpläne sollen für europäische Projekte obligatorisch werden.

Im weiteren Verlauf der Session und in der darauffolgenden Diskussion kristallisierte sich jedoch heraus, dass sich diese Pläne nicht ohne die Kooperation der Forschenden durchsetzen lassen. Die Aussage, dass für viele Forschende das Teilen der eigenen Forschungsdaten irgendwo zwischen der gemeinsamen Nutzung von Zahnbürste und Unterwäsche rangiert, wurde in diesem Zusammenhang getroffen und fand im Saal große Zustimmung. Während der politische Wille also ein sehr wichtiger Faktor für die Transformation hin zu Open Science ist, wurde auch der Änderung der verschiedenen Fachkulturen und des Systems, mit dem Erfolg in der Wissenschaft gemessen wird, große Bedeutung zugemessen.

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