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Stipendiatenberichte und Neuigkeiten von Bibliothek & Information International

Columbus – Karlsruhe – Tokio

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Am letzten Tag des IFLA-Weltkongresses bestand noch einmal die Möglichkeit, an verschiedenen Touren und Bibliotheksbesichtigungen teilzunehmen. Eine solche Möglichkeit war der Besuch des Chemical Abstract Service (CAS). CAS gehört zur American Chemical Society  und bietet verschiedene Datenbanken, Software und Informationsdienste für Forschung und Wirtschaft im Bereich der Chemie an. In Columbus bekamen wir eine der Niederlassung des CAS zu sehen, erhielten einen Einblick in die tägliche Erschließungsarbeit der Mitarbeitenden und ins Rechenzentrum. Es war eine hochinteressante Gelegenheit, einmal die Abläufe im Hintergrund einer wissenschaftlichen Datenbank kennenzulernen, die man als BibliothekarIn sonst nicht mitbekommt.

Am Standort in Columbus arbeiten ca. 1.400 Personen, davon ca. 400 ChemikerInnen, die ca. 50 verschiedene Sprachen sprechen. Diese nehmen inhaltliche Erschließungen der Patente von 63 Patentämtern und den Artikeln von ca. 10.000 Zeitschriften vor. Dabei werden in allen Artikeln chemische Verbindungen gekennzeichnet und mit einer Normdatenbank verknüpft, chemische Reaktionen verzeichnet und die Artikel bei Bedarf auch inhaltlich angereichert, zum Beispiel mit Abstracts oder Schlagwörtern aus einem kontrollierten Vokabular. So eine tiefgreifende intellektuelle Erschließung  braucht natürlich auch seine Zeit – alle Artikel und Patente werden schließlich auch wirklich von den WissenschaftlerInnen gelesen. Ein einzelner Artikel kann so je nach Länge zwischen 20 Minuten und mehreren Tagen dauern. Auch werden die meisten Artikel in verschiedenen Bearbeitungsphasen von mehreren Personen bearbeitet. Solch hochspezialisierte Arbeit braucht natürlich auch gute Schulungen – die Einarbeitungsphase dauert in der Regel zwischen sechs und zwölf Monaten. Je nach Erfahrungsgrad und Fachgebiet müssen die Mitarbeitenden im Folgenden eine bestimmte Quote von Artikeln abarbeiten – sie werden also nicht nur nach Qualität, sondern auch nach Quantität beurteilt. Trotzdem scheinen die Mitarbeitenden sehr zufrieden zu sein – die zwei Mitarbeitenden, die uns herumgeführt haben, sind schon seit 14 bzw. 19 Jahren beim CAS und haben unabhängig voneinander gesagt, dass dies für die Organisation ein eher niedriges Arbeitsalter ist.

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Zentrale des Rechenzentrums beim CAS

Schließlich bekamen wir auch das Rechenzentrum zu sehen, das die IT-Infrastruktur fast aller CAS-Angebote koordiniert. Hier ist alles auf Redundanz angelegt: jeweils zwei unabhängige Internetverbindungen, Stromversorgungen, Generatoren, Kühlanlagen und Notfallbatterien, um eine größtmögliche Ausfallsicherheit herzustellen. Der Notfallplan ist bis jetzt glücklicherweise nur ein einziges mal zum Einsatz gekommen (trotz allgegenwärtiger Hinweisschilder für Schutzräume im Falle eines Tornados): 2008 legte Hurricane Ike für vier Tage die Stromversorgung lahm und alle Angebote des CAS mussten durch Dieselgeneratoren mit Strom versorgt werden.
Was Rechenzentren angeht, so handelt es sich um eines von mittlerer Größe – ca. 2.000 Server, 3.500 virtuelle Server und 1,4 Petabyte Speicherplatz. Im Moment wird im Rechenzentrum ein wenig umgebaut, um Platz und Kapazität für die neuen Server der sich zurzeit noch in Entwicklung befindlichen neuen Version der Datenbank SciFinder zu schaffen.
Im Großen und Ganzen also ein äußerst interessanter Ausflug. Insbesondere die von den WissenschaftlerInnen geleistete Erschließungsarbeit ist in ihrem Umfang und ihrer Tiefe unter bibliothekarischen Gesichtspunkten außerordentlich beeindruckend.

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