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Kultur des Lernens: wie es gelingen kann, BibliothekarInnen fit für die Zukunft zu machen

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In Zeiten des digitalen Wandels spielt kontinuierliche Weiterbildung auch für Bibliotheken und ihr Personal eine entscheidende Rolle. Wie dies in der Praxis aussehen kann, wird anhand von Beispielen aus Kanada, Australien, Finnland sowie den Niederlanden deutlich. Sandy Hirsh von der San José State University führte durch die Veranstaltung.

Judy Brooker von der Australian Library and Information Association (ALIA) war die erste Vortragende der Session. Die Fragestellung, mit der sie sich in ihrem Verband konfrontiert sieht, ist:

„Wie kann den großen Veränderungen, die auch den Arbeitsalltag betreffen, begegnet werden?“

Die ALIA fühlt sich insbesondere deshalb zum Handeln verpflichtet, da sie in ihren Richtlinien verankert hat, stets höchste Standards zu gewährleisten – was selbstverständlich auch auf für das Personal gilt. Dafür hat der Verband eigens ein Programm entwickelt, das ALIA PD Scheme (PD= Professional Development). Dies steht allen BibliotheksmitarbeiterInnen offen, läuft über maximal drei Jahre und lässt Spezialisierungen zu. Die TeilnehmerInnen werden dabei stets durch MentorInnen begleitet und unterstützt.

Brookers ehrgeiziges Ziel:

„Wir wollen die DNA des Berufsstandes verändern!“


 

Nicht nur die Verbände, auch einzelne Institutionen sehen Handlungsbedarf, so auch die McMaster-Universität in Kanada mit ihren insgesamt 3 Bibliotheken. Vivian Lewis zufolge wurde 2013 ein eigenes Komitee (Staff Learning and Development Committee; kurz SLDC) gegründet, welches eine „Kultur des Lernens“ durch ein breites Spektrum an Kursen und Workshops etablieren möchte. Das Komitee besteht aus 10 Personen, worunter neben BibliothekarInnen auch weitere MitarbeiterInnen sowie studentische PraktikantInnen sind. Lewis gab einige wichtige Erfahrungen wieder:

  • Nicht nur Schulungspersonal der eigenen Bibliothek verwenden, sondern auf Experten von außerhalb setzen
  • Lernen muss Spaß machen
  • Teambuilding-Maßnahmen sind unabdingbare Basis jeglicher Kursangebote
  • Nicht das Rad neu erfinden wollen, sondern auf bestehende Best Practice-Beispiele aufbauen
  • „Get out of the library while learning!“ – gemeinsame Unternehmungen fördern den Lernerfolg

„Die Arbeit ist sehr anstrengend, zahlt sich am Ende aber aus“, so Vivian Lewis


 

Ein nordeuropäisches Kooperationsprojekt stellte Kristina Virtanen von der Stadtbibliothek aus Helsinki, Finnland dar: das „Nordic Library Leadership Programme“. Neben Helsinki sind auch Kopenhagen, Malmö, Oslo sowie Reykjavik im Programm involviert, das sich speziell an MitarbeiterInnen des mittleren Managements richtet. Die Zielsetzung lautet, sie an Tätigkeiten des oberen Managements heranzuführen. Es sei eine große Herausforderung, so Virtanen, sowohl den heutigen, als auch zukünftigen Anforderungen der bibliothekarischen Arbeitswelt gerecht zu werden. Insbesondere im Hinblick auf die unterschiedlichen Anforderungen der Kooperationspartner aus den verschiedenen Ländern gäbe es großen Abstimmungsbedarf. Das aus Vorlesungen und Workshops bestehende Projekt mit 5 jährlichen Meetings in den aufgeführten Städten bietet durch die internationale Ausrichtung hervorragende Möglichkeiten der Vernetzung. Zwischen den Meetings arbeiten die TeilnehmerInnen selbstständig an ihren Aufgaben.

Höchstwahrscheinlich aufgrund der vielen Kooperationspartner ist das Programm sehr flexibel. Daher werden vor Beginn eines neuen Jahrgangs lediglich grobe Planungen vorgenommen. Der konkrete Lehrplan ergebe sich jedoch erst im Laufe der Veranstaltungen, so Virtanen.


 

Einen spannenden Blick von außen brachte Marieke Hezemans von der niederländischen Beraterfirma Cubiss ein. Das „Community Librarian Young Professional Program“ richtet sich, wie der Name schon andeutet, ganz gezielt an junge MitarbeiterInnen unter 35 Jahren aus Stadtteilbibliotheken. Diese sollen gefördert und ihnen hochinteressante Jobs angeboten werden, die ihren meist hohen Qualifikationen entsprechen. Die Förderung sei zwingend notwendig, da sich der Altersdurchschnitt niederländischer BibliotheksmitarbeiterInnen weit oberhalb dem des Durchschnitts bewegt.

Das Programm ist noch sehr frisch. Im bislang ersten und einzigen Jahrgang befinden sich 15 TeilnehmerInnen, weitere 15 werden im nächsten Jahrgang im November hinzukommen. „Wir wollen eine Bewegung innerhalb der Bibliothekswelt erzeugen”, so Hezemans. „Kommunikativität, multimediale Fachkenntnisse, gestalterische Fähigkeiten und die Gabe, Menschen zu mobilisieren – all das wollen wir vermitteln“. Denn:

„Als StadtteilbibliothekarIn arbeitet man nie allein!“

Cubiss

Marieke Hezemans präsentiert das „Community Librarian Young Professional Program“

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Autor: Sebastian S.

Hamburg University of Applied Sciences - Department of Information

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