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Stipendiatenberichte und Neuigkeiten von Bibliothek & Information International

Bibliothek der Dinge

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Angelzubehör, Stühle für Schulkinder, Werkzeug? Kannst Du Dir alles in der Bibliothek ausleihen. Einen Eindruck von der Vielfalt der Bibliotheksangebote, die über Bücher, Zeitschriften und Datenbanken hinausweisen, gab gestern eine Kooperationsveranstaltung der Collection Development und Metropolitain Library Sections mit dem langen Titel „Check Me Out! Human Libraries and Unique Circulating Collections, from Art to Technology Petting Zoos“. Im Hintergrund der neuartigen Angebote stehen  Ideen der Sharing Economy und des nachhaltigen Konsums.

Pustaka in Box

Der erste Vortrag präsentiert das Projekt „Pustaka in a Box: Bridging the Digital Gap“ der Publik Library Sawarak in Malaysia. Teile des Landes haben nur eine unzureichende oder gar keine Internetabdeckung. Die Bibliothek sann auf Abhilfe, um insbesondere Bildungsmaterialien in diese Gebiete zu bringen. Die Idee ist so einfach wie genial: Texte etwa aus der Gutenberg Collection und Wikipedia for Schools werden auf Microcomputer, Rasberry Pis, heruntergeladen. Vor Ort lassen sich die Microcomputer dann in einem Umkreis von 20 Metern von jedem Standard-Browser aus ansteuern. Die Rasberry Pis sind robust, haben eine hohe Speicherkapazität und verbrauchen wenig Strom. Und voilà, kann z B.  eine Schule ohne Internetzugang auf digitale Unterrichtsmaterialen zugreifen.

Kunst leihen in Pyhäjoki 

Anschließend wird eine kleine Artothek in der Pyhäjoki Munipicpal Library in Finnland vorgestellt. Dass Bibliotheken Kunst verleihen, ist freilich nichts Neues, Artotheken gibt es ja schon seit vielen Jahrzehnten,  aber doch eher in Großstädten. In der Kleinstadt Pyhäjoki allerdings gibt es keine Kunstgalerie und kein Museum, das Kunst-Angebot der Bibliothek ist also einmalig.  Die Bilder hängen einfach hinter der Ausleihtheke an der Wand, tragen einen Barcode auf der Rückseite und können so entliehen werden. Inzwischen wird allerdings der Platz knapp, und die Bibliothek wird vielleicht ein paar Bilder veräußern. That’s it. „It’s as easy as that“, meint denn auch achselzuckend der Referent.

Fabulous Finds in Libraries

Eine Liste der „Fabulous Finds in Libraries“ hat die Australian Library and Information Association zusammengestellt. Sie reicht vom GPS Navigator über Drum Kits, Technology Kits und ein Klavier (allerdings vor Ort zu benutzen) bis hin zu Kompost  – ja wirklich;  eine Bibliothek stellt ihren Nutzern sogar Kaffeesatz für ihren Komposthaufen zur Verfügung! Wer sich das genauer ansehen will, sei auf diese Website verwiesen: https://www.alia.org.au/media-releases/top-10-list-fabulousfinds

Living Books

Lo Claesson und Anette Mjöberg stellen Angebote schwedischer Bibliotheken vor, die Demokratie und Menschenrechte unterstützen sollen, nachhaltige Entwicklung und die Sharing Economy. Im Angebot ist auch das lebende Buch „Niklas“, ein Sachverständiger für Menschenrechte, den man auschecken kann, um mit ihm über dieses Thema zu sprechen. Niklas ist sogar im Katalog verzeichnet, steht aber, wie wir auf  Nachfrage aus dem Publikum erfahren, leider nicht für die Fernleihe zur Verfügung.  Weitere Bibliotheken in Dänemark verleihen Kleidung, Partyzubehör, Spiele oder Werkzeug; auch ein E-Bike ist im Angebot.

Die Frage nach Pflege und Wartung

Aus dem Publikum werden gleich mehrere Fragen zu dem E-Bike gestellt: Wer lädt es auf, und wer repariert es, wenn es mal kaputt ist? Und Kleidung, die verliehen wird, komme die denn gewaschen zurück? Diese Nachfragen weisen darauf hin, dass generell viele Objekte und Werkzeuge ja nicht nur angeschafft, sondern auch  gepflegt und gewartet werden müssen – kann das denn das Bibliothekspersonal, und hat es die Zeit dafür?

Danach frage ich im Hinausgehen einen Kollegen aus der Amerika Gedenkbibliothek Berlin, die ebenfalls Objekte verleiht. „Kein Problem“, meint er, was solle z. B. an einem Bohrer schon groß kaputt gehen. Und woher weiß die Bibliothek, welche Gegenstände eigentlich gebraucht und dass auch wirklich entliehen werden? „Trial and Error“, meint er.  Das ist freilich vom elaborierten Collection Building noch etwas entfernt – aber die „Bibliothek der Dinge“ befindet sich ja auch noch im Experimentierstadium.

 

 

 

 

 

 

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Autor: CHaas

Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich bin wissenschaftliche Bibliothekarin am Forschungsinstitut ICI Berlin Institute for Cultural Inquiry, und berichte hier als Stipendiatin des BIB e.V. über den IFLA WLIC 2017. Ich wünsche Allen eine interessante und anregende Lektüre!

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