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Michelle Obama im Interview

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Michelle Obama hat eine große Fangemeinde. Dass viele davon auch unter den BibliothekarInnen der Jahreskonferenz zu finden sind, sah man an der „kilometerlangen“ Warteschlange, die sich am vergangenen Freitag vor dem Hallentor der Veranstaltung gebildet hatte.

Neben dem Eingang gab es auch einen Vip-Check-In, durch den wir eine halbe Stunde vor Veranstaltungsbeginn gehen durften. Plätze waren für uns und für weitere Gäste bereits im ersten Hallendrittel reserviert. Das wussten wir zu schätzen.

Bis zum Interview sollte es jedoch noch eine ganze Weile dauern. In der Zwischenzeit liefen Songs aus den Charts; in der Halle herrschte eine ausgelassene Stimmung wie bei einem Popkonzert. Ein paar Frauen fingen an zu tanzen.

Plötzlich kam Jubel auf. Wir fragten uns: „Michelle, ist sie schon da?“  Nein, es war Carla Hayden, die Leiterin der Kongressbibliothek Washington, Interviewerin von Michelle und zweite Protagonistin des Nachmittags. Sie lief durch die Zuschauerreichen, schüttelte Hände, ließ sich fotografieren, einzeln und in Gruppen, inmitten von Kollegen und KollegInnen, die alle ganz aus dem Häuschen waren.

Die Menge beruhigte sich wieder, als Carla hinter der Bühne verschwand. Nach einer ganzen Weile tauchte eine Jazzband mit riesigen weißen Blasinstrumenten auf.  Es spielte die von mit einem Grammy nominierten Multi-Instrumentalisten Troy Andrews angeführte Jazzband Trombone Shorty & Orleans Avenue.  Der Musiker ist gleichzeitig Autor von „Trombone Shorty“ (Bilderbuch für Jugendliche), Gewinner einiger Buchpreise in den USA sowie des angesehenen Heinz Awards, der als Anerkennung für die Trombone Shorty Foundation vergeben wurde. Eine Stiftung, die sich für den Erhalt des musikalischen Erbes in New Orleans einsetzt und jungen bildungsbenachteiligten Musikern eine musikalische Erziehung und Mentorschaft ermöglicht.

Die Performance der jungen schwarzen Musiker aus New Orleans spannte einen passenden Bogen zu dem anstehenden Interview mit Mrs. Obama, die sich als Verfechterin weiterführender Schulbildung („High-School ist not enough“) u.a für junge Mädchen weltweit engagiert.

Aber vielleicht nochmal von Anfang an: Als Michelle vom Präsidenten der ALA, Jim Neal, angekündigt wurde, hielt es niemanden mehr auf den Stühlen. Mit stehendem Applaus und viel Getöse wurde sie von den Besuchern begrüßt.

Der Anfang des Interviews begann mit Carla´s Frage nach Michelle´s Hobby, dem Lesen. Dieses sei schon immer fester Bestandteil in ihrem Leben gewesen, teilte Michelle uns mit.  Angefangen hatte dies mit 4 Jahren, als das kleine Mädchen Michelle ihren ersten Bibliotheksausweis bekam. Das war ein für die Zuschauer gelungenes Intro. https://www.youtube.com/watch?v=twDQ7LJQ3yk

Auch Mrs. Obama braucht zwischendurch mal eine Auszeit. Flucht aus dem Alltag gelingt ihr mit Büchern von Angie Smith. Genannt hatte sie auch „Commonwealth“ von Ann Patchett (Familiendrama), „Exit West“ von Mohsin Hamid (Liebesgeschichte) oder auch „Die Nachtigall“ (the Nightingale) von Kristin Hannah.

In ihrem Buch „Becoming“ beschreibt sie ihre eigenen Erlebnisse und Erfahrungen, die sie nach und nach zu dem gemacht haben, was sie heute ist, u.a. erfolgreiche Anwältin, Executive Director der NGO „Public Allies“, Vice President, Aufsichtsrätin, ehemalige First Lady, Buchautorin, Mutter zweier Töchter. OMG – möchte man da sagen.
Ihre Anekdoten handeln von den Ups und Downs ihres Lebens und wie sie in diesen Situationen damit umging.

Denn auch eine Mrs. Obama hatte – vor allem in der Zeit vor dem Weißen Haus – wie viele junge berufstätige Frauen damit zu kämpfen, den Anforderungen aus Beruf, Haushalt und Familienleben gerecht zu werden. Dabei standen die eigenen Prioritäten – und hier können viele Frauen nicken –  an letzter Stelle.

Michelles Rezept für junge Mütter:  Selbstbewusst die Dinge einfordern, die man braucht. Für eine Work-Balance-sorgen, sich auch mal eine Auszeit gönnen und ab und zu auch mal Zeit mit Freundinnen verbringen, mit denen man viel lachen und eine Menge Spaß haben kann.

Das klingt plausibel, sind es doch die Dinge, die sich jede von uns wünscht und sich auch mal gönnt, wenn sie es sich leisten kann. Michelle ist vielleicht doch eine von uns…

So erzählte sie auch, wie der Verlust eines Babysitters ihr vor Augen führte, wie wichtig die Versorgung der eigenen Kinder war, wollte sie ihren verantwortungsvollen Beruf weiter ausüben.
Gottseidank sprang die Oma ein, die die Töchter regelmäßig von der Schule abholte, selbst aber auch noch arbeiten ging. Mutter und Tochter wechselten sich bei der Kinderbetreuung ab, waren ein eingespieltes Team, während der Ehemann als Senator durch Amerika reiste. Auch solche Situationen vergegenwärtigen die Notlagen, in denen junge Frauen oft stecken, wenn sie bei der Betreuung auf sich alleine gestellt sind.

Als First Lady war es nicht immer leicht, berichtete sie. Auf den Schultern des Präsidentenpaares lastete wohl immenser Druck, „making mistakes was no option for us“.  Auch gab es Situationen, in denen die starke Michelle Obama nicht weiterwusste. Bei ihrer Mutter, die im Weißen Haus im 3. OG wohnte, fand sie Gehör und wurde in ihrem Tun bestärkt. Das gab ihr Kraft.

Die Kinder standen immer an erster Stelle. Das Weiße Haus war ihr zuhause, das Leben dort sollte so normal wie möglich ablaufen. In viele Events und Aktivitäten wurden sie mit einbezogen. Die Töchter hatten jedoch auch Aufgaben, die sie selbst erledigen mussten. So mussten sie z.B. ihre Wäsche selbst waschen, das brachte ihnen die Oma bei. Denn Kinder brauchen Sicherheit, Beständigkeit, Liebe und eine Community, in der sie aufwachsen. Michelle, du sprichst uns aus der Seele.

Die Familie Obama hatte auch „Fun“ im Weißen Haus. So wurden natürlich Kindergeburtstage gefeiert, Übernachtungen bei Freunden, sog. Sleep over, organisiert (auch wenn davor die befreundete Familie komplett durchleuchtet und das Haus vorab durchsucht werden musste, „sorry, Mrs. Jules“). Es gab ein Fashion-Tag mit namhaften Designern für ihre und weitere Kinder aus der Community, Halloween-Parties, Schauspieler aus der Serie Hamilton kamen zu Besuch, u.s.w.

Mir scheint, Michelle begegnet ihrer Welt mit Bodenhaftung und gesundem Menschenverstand, aber auch mit der nötigen Cleverness, Einfallsreichtum und einer Prise Humor. Dadurch gelingt es ihr, die schwierigen Situationen so zu gestalten, dass sie für die Familie und die Kinder insbesondere unter den gegebenen Umständen tragbar und machbar sind. In einigen Situationen finden wir uns durchaus wieder. Das macht Michelle menschlich und sympathisch.

Wenn sie es geschafft hat, schaffen wir es auch.

Da fällt mir ein, dass ich noch den Geburtstag meiner Tochter organisieren muss. Ob der Fashion-Designer wohl auch zu uns nach Hause kommt?

Ein Auszug des Interviews auf Englisch mit einer kurzen Zusammenfassung gibt’s auf dieser Website:

https://americanlibrariesmagazine.org/blogs/the-scoop/michelle-obama-draws-thousands/

Grüße aus NOLA
Silke Taubert-Vikuk

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