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Während der Konferenz ist vor der Konferenz. Oder: Wie eine IFLA-Sektion auf dem WLIC ihre eigene Tagung plant

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Einen Einblick in die Gremienarbeit bei der IFLA bot mir heute ein Besuch in der Arbeitssitzung des Ständigen Ausschusses der „Document Delivery and Resource Sharing Section“, geleitet von deren Vorsitzenden Peter Collins (University of Pennsylvania). Und obwohl ich dachte, dass die angesetzten zweieinhalb Stunden vielleicht sehr zäh und gespickt mit Verwaltungsformalitäten sein könnten, stellte sich das „Business Meeting“ doch als gar nicht langweilig heraus. Denn es entfaltete sich eine sehr lebhafte Diskussion darüber, wie die nächste Tagung der Sektion gestaltet werden soll, die „International Interlending and Document Supply Conference“, kurz ILDS. Aber bevor es dazu kam mussten tatsächlich erst ein paar Formalitäten geklärt werden, zum einen eine Mitgliederangelegenheit, denn es wird eine Nachrückerin in den Ständigen Ausschuss geben. Und zum anderen eine kurze Besprechung über den geplanten Verlauf der Sessions der Sektion auf dem WLIC: veranstaltet wird eine „Open Session“, in der aus unterschiedlichen regionalen Blickwinkeln das weite Umfeld der Dokumentlieferung, Fernleihe und des Resource Sharing u.a. in Best-Practice-Beispielen betrachtet wird (existiert für den Fachbegriff „Resource Sharing“ eigentlich schon eine adäquate Übersetzung ins Deutsche? Das Online-Wörterbuch LEO meint: Ressourcen-Sharing – m.E. verbesserungsfähig). Daneben gibt es eine Tips & Tricks-Session, die eher praktisch orientiert ist und in der auch Fragen gestellt werden können, beispielsweise wie man ein Buch aus China per Fernleihe beschafft.

Der Ständige Ausschuss bei der Planung der nächsten ILDS-Konferenz.

Der weitere Teil der Arbeitssitzung war dann tatsächlich „work in progress“: So hatte ich die Gelegenheit mitzuerleben, wie eine bibliothekarische Fachtagung konzipiert und geplant wird. Für die nächste ILDS-Konferenz standen wenige Rahmendaten bereits seit längerem fest, nämlich der Tagungsort Prag und das Datum 9. bis 11. Oktober 2019. Auch der Gastgeber ist schon bekannt: Es wird die Technische Nationalbibliothek (NTK) auf dem Wissenschaftscampus im Stadtteil Dejvice sein. Vom veranstaltenden Ortskomitee aus der NTK waren daher zwei Gäste in der Sitzung anwesend, Stephanie Krueger und Saša Skenderija. Die NTK ist mit einem großen Konferenzsaal räumlich gut ausgestattet und hat bereits einige große Tagungen organisiert. Ihre moderne technische Ausrüstung würde darüberhinaus auch einige weitere Angebote ermöglichen, z.B. Live-Streams oder Aufzeichnungen.

Peter bat Saša darum, von der grundlegenden Idee für die Tagung zu erzählen mit der das bisherige Format der ILDS attraktiver und offener, vielleicht auch interessant für nicht-bibliothekarisches Publikum gestaltet werden soll. Inspiriert von einer Kritzelei des rumänischen Künstlers Dan Perjovschi – er schmückte das Interieur der NTK mit gut 200 kleinen Comiczeichnungen aus – wählte das Prager Ortskomitee einen Arbeitstitel für die Tagung. Die Zeichnung zeigt ein kleines Männchen unterhalb des Wortes FREE – bei dem das R durchgestrichen ist und das somit zu FEE wird. „Beyond the Paywall“, so der daraus entstandene Arbeitstitel, soll noch mit einem erläuternden Untertitel ergänzt werden. Auch nach einiger Diskussion konnte innerhalb der Sitzung hier aber noch kein Entschluss gefasst werden. Auch was die Zielgruppe der Konferenz angeht war in der Session kein Konsens zu finden: will man sich eher an Praktiker*innen richten oder sollen tatsächlich über den Sektor des Ressource-Sharing hinaus Wissenschaftler*innen oder weitere Kreise von Bibliotheksnutzer*innen wie Studierende angesprochen werden? Saša würde am liebsten das komplette System des Zugangs zu Information und Wissen in den Blickpunkt der Konferenz stellen. Von einigen Mitgliedern des Ständigen Ausschusses wurden dabei jedoch Zweifel angebracht, ob man so nicht zu sehr mit anderen Tagungen in Konkurrenz tritt und ob man nicht die für Fernleihe und Dokumentlieferung zuständigen Bibliothekar*innen als bisherige Hauptzielgruppe der ILDS-Tagungen verprellt.

Saša Skenderija bewirbt die ILDS-Konferenz 2019 in der „Open Session“.

Aufgeworfen wurde daneben die Frage, wie die Konferenzbeiträge publiziert werden können. Für die letzte ILDS-Konferenz in Paris 2017 hat es nämlich bedauerlicherweise keine Möglichkeit zur Veröffentlichung gegeben. Peter wird deshalb mit verschiedenen Zeitschriften und Repositorien in Kontakt treten.

Einige Deadlines legte der Ständige Ausschuss bereits fest. So soll es im November 2018 einen Call for Paper geben, bereits davor müssen sich Mitglieder und Ortskomitee auf den definitiven Titel festlegen und den inhaltlichen Rahmen abgesteckt haben. Der Ständige Ausschuss trifft sich einmal monatlich virtuell in einer Videokonferenz. In diesen Besprechungen und zugleich in Zusammenarbeit mit dem Ortskomitee wird die Veranstaltung nun weiter geplant und ausgearbeitet.

Ich bin gespannt, wie sich das Konzept und Programm der Tagung in den nächsten Monaten weiter entwickeln. Eine Gerüst für die Tagungs-Homepage hat die NTK bereits fertig. Sie soll im Herbst eingerichtet werden, so dass sich das ganz gut verfolgen lassen wird.

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