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Zum Wertesystem wissenschaftlicher Bibliothekar*innen

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Im Vortrag von Bernard Dione (Université Sheikh Anta Diop, Dakar) ging es um die Verknüpfung kultureller und berufsethischer Werte bei wissenschaftlichen Bibliothekar*innen. Herr Dione hat seine Studie im Senegal durchgeführt und ist dabei vor allem der Frage nachgegangen, welchen Einfluss die persönliche intellektuelle Freiheit auf die bibliotheksarische Bestandsentwicklung nimmt.

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Bernard Dione, der leider nicht nach Kuala Lumpur reisen konnte.

 

Da Bernard Dione selbst nicht nach Kuala Lumpur reisen konnte, hielt stellvertretend Mathilde Koskas, die gemeinsam mit einer Kollegin die Sitzung „Collections, Ethics, Perspective, and Voice: The Importance of Context“ moderierte, den Vortrag für ihn.

Mit einer theoretischen Einführung verdeutlicht Bernard Diones Vortrag, dass sich jeder Berufsstand nicht nur durch formales technisches Training auszeichnet, sondern auch durch Werte und ethische Normen. Wichtig ist an der Stelle, dass alle vorherrschenden Werte sozial konstruiert werden – und damit potentiell veränderbar sind.

Laut den IFLA Code of Ethics for Librarians and other Information Workers sind dies die wesentlichen Aufgaben, die Bibliothekar*innen wahrnehmen: Sie unterstützen „the optimization of the recording and representation of information“ und „provide access to it“ – im Kern geht es also um die Datenerfassung, ihre Präsentation (im Katalog oder im Bestand), und ihre Bereitstellung.

Doch welche Werte prägen Bibliothekar*innen bei ihrer Arbeit? Wie priorisieren sie einzelne Werte, d.h. welches Wertesystem zeichnet sie aus? Und lassen sich kulturell konstruierte Werte mit den berufsständischen verbinden?

Bernard Diones Studie fragt nach genau diesen Aspekten. Herausgekommen ist dabei für senegalesische Bibliothekar*innen, dass die Werte „preservation of cultural heritage“, „refusal of all kind of discrimination“, und „service to all library users“ als besonders wichtig empfunden werden, während „pluralism of opinion“, „respect for cultural diversity“ sowie „intellectual freedom“ den Schluss der Wertkette bilden.

Das vorherrschende Wertesystem führe bei der täglichen Arbeit der senegalesischen Kolleg*innen, so Dione, zur Selbstzensur im Bestandsaufbau: So tendiere man dazu die Bücher, die nicht den Überzeugungen oder Ideen der jeweiligen Community entsprechen, erst gar nicht zu beschaffen.

Dione zieht folgendes Fazit: Die Berufsausbildung senegalesischer Bibliothekar*innen soll um Kurse im Umgang mit ethischen und kulturellen Werten erweitert werden, um eine stärkere Sozialisierung im Job vornehmen und vermeiden zu können, dass persönliche Werte die berufliche Objektivität verfälschen.

Das Paper zu Bernard Diones Vortrag kann in der IFLA-Library eingesehen werden:

Bernard Dione, Collection development and cultural context: The accommodation of professional to cultural values among Senegalese Academic Librarians

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