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Stipendiatenberichte und Neuigkeiten von Bibliothek & Information International


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Collaborative Strategies for Successful Library Design and Innovative Use – Satellite Meeting der IFLA Library Buildings and Equipment Section in Chicago. 10.-11.08.2016 Chicago Tag 2

Am zweiten Tag des Satellite Meetings wurden insbesondere Praxisbeispiele für die Zusammenarbeit mit verschiedenen Partnern im Bibliotheksbau diskutiert. Tracy Lesneski vom Büro MSR aus Minneapolis stellte das Projekt der Umgestaltung der Public Library in Madison, Wisconsin vor, bei dem Künstler in der Planung, bis hin zu einem Kunstevent in der leeren Bibliothek vor dem Umbau, einbezogen wurden. Die lokale Gemeinschaft wurde so zu einer besonders kreativen Auseinandersetzung mit dem Entwurf angeregt. Einen anderen Ansatz haben die Bibliotheken der Provinz Barcelona, die Living Lab und Fab Lab in den Bibliotheken unter anderem durch gemeinsames Kochen etablieren. Ein Aspekt von Make, der auf der Hand liegt, aber selten umgesetzt wird. Die Gastgeberin der Konferenz Sharon Bostick forderte in ihrem gemeinsamen Vortrag mit dem Architekten Bryan Irwin die Einbeziehung der Mitarbeiter und ihrer Arbeitsplätze in Überlegungen zur neuen Gestalt von Bibliotheken. Dass die neue Arbeit in Bibliotheken auch nach einer Neudefinition der Büroraumlayouts verlangt, wurde in den zwei Tagen mehrfach erwähnt.

Paul V. Galvin Library am Illinois Institute of Technology

Das Satellite Meeting fand in der Paul V. Galvin Library des in Deutschland wenig bekannten Walther Netsch statt

Dorothea Sommer stellte am Beispiel des Neubaus der Geisteswissenschaftlichen Bibliothek an der ULB Halle die Schwierigkeiten vor, die sich aus der Zusammenarbeit mit vielen unterschiedlichen Partnern und der Koordination unterschiedlicher Interessen ergeben und das Projekt letztendlich auch weit von dem entfernen können, was ursprünglich geplant war. Der Kontrast dazu war die Präsentation des  Projekts der Maynooth University in Irland, das von Anfang an als Transformationsprojekt angelegt war. Cathal McCauly und Hugh Murphy machten sehr anschaulich, zu welchen positiven Ergebnissen Hochschulen kommen können, wenn alle Beteilgten an einem Strang ziehen und die Interessen der Studierenden als Hauptnutzer universitärer Lernräume im Vordergrund stehen. Dies gilt auch für das Ryerson University Student Learning Center in Toronto, dessen Planungs- und Bauprozess in enger Abstimmung von Universität, Bibliothek und dem Architekturbüro Snøhetta unter Beteiligung der Studierenden verlief. Madeleine Lefebvre stellte einen der spannendsten Neubauten der letzten Jahre vor. Weitere Aspekte des zweiten Tages waren die Planung und Umsetzung kooperativer Speicherbibliotheken am Besispiel der Emory University und des Georgia Institute of Technology aus Atlanta sowie die Einbeziehung des Kontext in einen kollaborativen Planungsprozess.
S.R Crown Hall von Ludwig Mies van der Rohe

Der zweite Tag begann mit einer Campusführung am IIT. Architektonischer Höhepunkt ist die S.R. Crown Hall Mies van der Rohes


Insgesamt war das Satellite Meeting unter vielen sehr guten Konferenzen der Library Buildings and Equipment Section in den letzten Jahren sicher die beste, sowohl was den Anspruch an die Qualität der Präsentationen als auch was die Aktualität des Themas angeht. Bibliotheksbau, so das wesentliche Fazit, kann nicht mehr expertenzentrierten und kennzahlengesteuerten Planungsprozessen nicht mehr erfolgreich sein, wenn Bibliotheken den eigenen Anspruch ernst nehmen, im Sinne der Bedürfnisse ihrer Klientel und auf Augenhöhe mit ihren Nutzern zu arbeiten. Dies gilt international und es wurde deutlich, dass insbesondere in Kanada und Skandinavien die Entwicklung schon wesentlich fortgeschrittener ist als bei uns, was ein schöner Ansporn sein sollte.

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Collaborative Strategies for Successful Library Design and Innovative Use. Satellite Meeting der IFLA Library Buildings and Equipment Section, Chicago 10.-11.08.16, Workshop

Für die Entwicklung neuer Bibliothekskonzepte ist der sichere Umgang mit Instrumenten und Methoden partizipativer Planung entscheidend. Es geht darum, Bedürfnisse und Wünsche der Nutzer zu ermitteln, einzuordnen und in Workshops gemeinsam innovativ zu arbeiten. Das macht die Beteiligung von Architekturbüros nicht überflüssig, denn nur Gestaltungsprofis können die verschiedenen Elemente zusammenhalten und informierte ästhetische Entscheidungen treffen. Aber gerade auch in der Planungsphase des Dokk1 in Aarhus, die derzeit exemplarisch für solche Beteiligungsprozesse steht, hat sich gezeigt, wie förderlich der kollaborative und partizipative Ansatz ist. So wundert es nicht, dass auch beim Satellite Meeting der IFLA Library Buildings and Equipment Section in Chicago am frühen Nachmittag des ersten Tages die gemeinsamen Arbeit mit interaktiven Planungsinstrumenten geübt wurde.

Karen Latimer, Mair Østergård und Elif Tinaztepe auf dem Podium

Karen Latimer führt in den von Marie Østergård (Dokk1) und Elif Tinaztepe (Schmidt Hammer Lassen Architects) geleiteten Workshop ein

In den zwei Workshopphasen wurden zunächst Personas erarbeitet und dann als Grundlage der Evaluation eines gegebenen Grundrisses genutzt. Personas sind fiktive Figuren, die in sich Eigenschaften individueller Bibliotheksnutzer zu Typen vereinen. Sie dienen dazu, herauszufinden, welche spezifischen Bedürfnisse die verschiedenen Gruppen haben und geben damit den oft abstrakten Ergebnissen quantitativer und qualitativer Studien buchstäblich ein Gesicht. Mithilfe von Personas ist es möglich, Nutzungsszenarien durchzuspielen und auf ihr Funktionieren hin zu untersuchen. Im Falle des Dokk1 wurden die bis dahin entwickelten Personas sogar als Aufgabe an die Architekten im Wettbewerb genutzt. Im Workshop selber war es erstaunlich, wie schnell die internationalen Teilnehmer in den jeweiligen Gruppen ohne weitere Grundlage relativ schlüssige und typische Personas entwickelt haben. Nebenbei wurde der nicht ganz unwichtige Aspekt interkultureller Verständigung bei der Entwicklung von Personas entdeckt.

Grundrisse und Arbeitsmaterialien

Die Arbeit mit realitätsnahen Grundrissen machte den Workshop besonders anschaulich

In der zweiten Workshopphase wanderten die Teilnehmer mit den Augen ihrer Persona durch den Grundriss einer Bibliothek. Aufgabe war es, potentielle Probleme und Störfaktoren zu identifizieren, fehlende Einrichtungen, Räume oder Dienstleistungsbereiche zu identifizieren und Dinge zu kennzeichnen, die aus der Perspektive der Persona besonders gut funktionieren. Der Perspektivwechsel wurde von den Teilnehmern sehr gut angenommen und es stellten sich erstaunliche Sichtweisen ein. Deutlich wurde auch, dass eine kritische Herangehensweise in der frühen Planungsphase nicht nur typisch, sondern sogar wünschenswert ist.
Der Workshop war eine willkommene und interessante Abwechslung während des programmatisch sehr dichten ersten Konferenztages. Mal wieder wurde deutlich, wie dankbar interaktive aber auch kreative Elemente aufgenommen werden, die den üblichen Ablauf solcher Konferenzen und Seminare durchbrechen. Die Arbeit im Gruppenmhat allen Teilnehmern nicht nur Spaß gemacht, sondern auch ganz neue Perspektiven eröffnet. Es zeigt sich, dass das neue Denken in Bibliotheken auch neue Arbeitsformen voraussetzt.


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Collaborative Strategies for Successful Library Design and Innovative Use – Satellite Meeting der IFLA Library Buildings and Equipment Section in Chicago 10.-11.08.2016, Chicago. Tag 1

Bibliotheken verstehen sich heute als zentrale Orte ihrer jeweiligen Gemeinschaften. Sie bieten Raum zum Lernen, zum Austausch, für kreative Prozesse und zur individuellen Entfaltung. Dies hat tiefgreifende Auswirkungen darauf, wie Bibliotheksräume geplant und gestaltet werden. Dieser Paradigmenwechsel im Bibliotheksbau verlangt nach neuen, kollaborativen Ansätzen und nach innovativen Methoden der Planung. Die Satellite-Conference der IFLA Library Buildings and Equipment Section (LBE) setzt sich mit der Frage auseinander, wie neue Formen der Zusammenarbeit und Partizipation gestaltet und implementiert werden können, welche Auswirkungen sie auf die Arbeitskultur in Bibliotheken haben und welche Instrumente wir für diese Wege der Planung brauchen.

Flyer IFLA Library Buildings and Equipment Sectiotion Satellite Meeting
Der erste Tag der Konferenz widmete sich der Organisation und den Methoden der Zusammenarbeit mit Nutzern in der Planung neuer Bibliotheksräume.

Die Kanzlerin des Illinois Institute of Technolgy Frances Bronot hob in ihrem Grußwort die besondere Bedeutung offener Räume für das Lernen und Leben auf dem Campus hervor. Die idealen Lernräume sind für Sie diejenigen, die erst im Moment ihrer Nutzung eine Bedeutung erlangen und nicht eine bestimmte Nutzung vorgeben. Ihr architektonisch-künstlerischer Hintergrund passt besonders zum IIT, einer Technischen Universität, an der alle Studierenden Kurse in Design belegen müssen und die auf ihre Tradition als Architekturschule besonders stolz ist. Bibliotheken sind für Sie das Herz des Campus und der einzige Ort, der von niemandem exklusiv beansprucht werden kann.

Gulcin Cribb und Tamera Hanken von der Singapore Management University stellten Strategien der Beteiligung von Studierenden in der Planung eines Bibliotheksumbaus vor. Auf der Grundlage von Daten aus regelmäßigen Benchmarks ermittelt die Bibliothek der Universität Bedürfnisse und Probleme der Studierenden in Bezug auf die Bibliothek, die dann in vertiefenden Workshops und Interviews genauer ausgeleuchtet worden. Resultate waren neu ausgestattete und gestaltete Lernräume in der Bibliothek, aber auch einfache Maßnahmen wie die „seat hogging awareness campaign“ gegen die Blockierung von Arbeitsplätzen. Ein Thema, das bei allen Zuhörern großen Anklang fand.

Dass Architekturbüros kollaborative und partizipativen Formen der Planung heute teilweise schon verinnerlicht haben, zeigte ein Vortrag des kanadischen Büros Goup2, die gemeinsam mit den Bibliotheken offene und partizipativen Planungsprozesse durchführen. In wiederholten Feedback-Workshops werden die Bedürfnisse und Prioritäten der Nutzer ermittelt und festgehalten. Hilfreich ist dabei ein System von Haftnotizen, mit denen Bereiche im Plan als gut (grün), noch nicht gut (rot) und wünschenswert oder „blue sky idea“ (hellblau) gekennzeichnet werden.

Keep  calm and collaborate
Der Nachmittag des ersten Tages widmete sich insbesondere der strategischen Einbindung einzelner Instrumente partizipativer Planung. Jeanette Blackburn aus dem Büro Shepley Bulfinch präsentierte verschiedene Masterpläne für Bibliotheken unterschiedlicher Größe. Flexibilität, Beachtung individueller Bedürfnisse und Arbeitskulturen und Einbeziehugn aller Beteiligten werden dabei als genauso wichtig angesehen, wie die Entwicklung von Kennzahlen zum Verhältnis unterschiedlicher Flächen innerhalb der jeweiligen Institution. Der letzte Vortrag des Tages wurde vom Autor des Blogbeitrags selber gehalten und befasste sich mit der Verbindung von Opportunistic Incrementalism und Nutzergsteuertem Design bei den Modernisierungsprojekten der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg.