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Stipendiatenberichte und Neuigkeiten von Bibliothek & Information International


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Sonntag bei der IFLA: Geschichte Geschichte Geschichte

Ich fange meinen heutigen Blog-Post mal beim gestrigen deutschsprachigen Caucus an. Da habe ich dem Beitrag von Sabine Stummeyer kaum etwas hinzuzufügen, außer dass die Österreichischen Kollegen ja auch auf die Idee kommen könnten, außer der Bibliothekars-Verschickung in die Schottischen Highland-Bücherbusse selbst Büchereizahnradbahnen einzurichten, die über die Tiroler Almen kraxeln. Da würde ich dann auch gern mal ein paar Wochen mitmachen.

Sonntag 7.30 h morgens beim Joggen am Oder-Ufer sehe außer ein paar Trinkern kaum Leute, bis mir die ersten Ifla-Rucksäcke in den Weg treten. Offenbar starten die Meetings schon um 8.

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Halle + Outdoor – Lounge

 

10.30 h dann mit 3000 KollegInnen in die Opening Party in der riesigen Hala Stulecia. Wie bitte ? Das soll die Bühne auch für meinen Vortrag am Montag über Leistungsschutzrechte für Presseverleger sein ? Ojemine. Angst ! Soll ich mich vielleicht vorsichtshalber doch lieber erkälten ? Die Ifla hat für ihre „Global Vision“ einen richtig guten werbeagenturgemachten Spot eingekauft. Fast zu professionell. Er rückt Gerald Leitner in das richtige Licht als CEO eines global Players.

Die Opening Party ist ja vor allem deshalb interessant, weil man da erfährt, wie sich das gastgebende Land, die Region und Stadt selbst gern präsentiert. Ein Brief des Präsidenten an uns IFLA-Gäste wird vorgelesen, der Kultuminister erzählt davon, dass er als Student gern Bibliotheken benutzt hat. Bibliotheken seien auch das beste Mittel für verlässliche Information und gegen ideologische Fallen. Wie haben wir diese Worte aus seinem Munde zu interpretieren, nachdem sein Ministerium erst vor ein paar Monaten an der Auflösung des Pluralismus im öffentlich-rechtlichen Rundfunk beteiligt war ?

Dicker Tusch vor jedem neuen Auftritt. Der für die Eröffnung engagierte Event-Sprecher ist ein bisschen anstrengend, das ganze wirkt zu sehr wie eine Sportveranstaltung oder ein Song-Contest. Die Keynote des Direktors des College of Europe, Richard Butterwick-Pawlikowski trägt den Titel „Where were you going, Poland ?“: Ein anschaulicher, guter Vortrag  voller Bitterkeit zur schwierigen polnischen Geschichte. Ich hätte es aber auch interessant gefunden, zu erfahren, wohin Polen jetzt gerade geht. Das könnte ja durchaus auch ein Thema sein auf dem World Library and Information Congress. In keinem der historischen Beiträge wird so richtig auf den Beitritt Polens in die Europäische Union und deren Beitrag zur Stabilisierung eingegangen. Der Bürgermeister von Wroclaw, der der Zentralregierung in Warschau vor allem in deren Neo-konservativen Kulturpolitik kritisch gegenübersteht, fasst sich recht kurz, bekennt sich aber klar zu Demokratie und Freiheit.

Kultureinlage: Die Geschichte Wroclaws als Ballett, professionell getanzt von einem hochklassigen Ensemble aus Wroclaw. Geschichte Geschichte Geschichte ! Daran kommt man hier in der Stadt der vielen, auch traurigen historischen Wendungen nicht vorbei.

Halle

Geschichts-Ballett (ist aber nicht so gut erkennbar) im riesigen Main Court. Sieht brachial aus. Ist es auch.

Nach der doch seht ernsten Vorstellung bin ich aber froh, dass auf den Straßen und den Stadtstränden soviel  lauter Frohsinn herrscht, wahrscheinlich mitverursacht durch das Studenten-Volk, das 20% der Stadtbewohner ausmacht . Um 3 Uhr morgens könnten sie einen aber auch mal schlafen lassen.

 


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Hinter den sieben Bergen bei den 300 Zwergen

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Buchdruckerzwerg

Wohin man in Breslau auch geht, auf Schritt und Tritt wird man von possierlichen kleinen Bronzefiguren begleitet. In den 1980er Jahren wurde die erste Figur „Papa Zwerg“ von der von Studenten und Künstlern getragenen Oppositionsbewegung „Orangene Alternative“ als Zeichen des Widerstands aufgestellt. Erst 2001 kam die zweite Figur im Rahmen eines Projekts der Breslauer Kunsthochschule hinzu. Inzwischen gibt es über 300 der bei Touristen und Einheimischen beliebten Zwerge. Gleich mehrfach kommt darin auch die Liebe der Breslauer zu Büchern zum Ausdruck. Macht euch auf die Suche, wer findet sie alle?


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„Transliteracy“ oder einfach „Information Literacy“? Tag 1 beim IFLA World Library and Information Congress 2017

An zwei Dinge musste ich mich bei meiner ersten Teilnahme an einem IFLA-Kongress gewöhnen: Die ersten Sessions beginnen schon um 8 Uhr – und die offizielle Eröffnungsveranstaltung findet erst am zweiten Tage statt.

Höchst bemerkenswert ist der Veranstaltungsort in Breslau: Die Jahrhunderthalle wurde 1913 eröffnet und 2006 in die UNESCO-Weltkulturliste aufgenommen. Der Einsatz des neuen Baustoffes Stahlbeton ermöglichte die Konstruktion der zu diesem Zeitpunkt größten Kuppel der Welt mit einer Spannweite von 65 Metern.

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Im Meeting des Standing Committee Information Literacy wurde zunächst ein neuer Chair gewählt: Lisa Janicke Hinchliffe (University of Illinois at Urbana-Champaign) übernimmt dieses Amt von Sharon Mader, deren Amtzeit im Standing Committee endet. Im Rahmen der Überlegungen zu einer gemeinsamen Session mit der Library Theory and Research Section bei WLIC 2018 zum Thema Forschungsunterstützung und Forschungsdaten haben wir über den Begriff „Transliteracy diskutiert“, definiert als die Fähigkeit, plattform- und medienübergreifend zu agieren. Kann die Einführung dieses Begriffs neue Impulse setzen oder schließt „Information Literacy“ diese Fähigkeiten selbstverständlich ein? Der Trend ging dahin, beim eingeführten Begriff „Information Literacy“ zu bleiben.

Abends fand dann  das German Caucaus Meeting, das Treffen der deutschsprachigen Konferenzteilnehmerinnen und -teilnehmer statt. Die 161 Teilnehmenden aus Deutschland, 37 aus der Schweiz und 21 aus Österreich stellen die zweitgrößte Gruppe bei WLIC nach den USA mit 400 Teilnehmenden. In angenehmer Atmosphäre gab es viele interessante Informationen, so.z.B., das gemäß den IFLA Rules of Procedure alle Gremiensitzungen öffentlich sind – jeder kann als Observer teilnehmen. Bei einem Gläschen Wein und einem kleinen Imbss klang der erste Tag entspannt und mit guten Gesprächen aus.


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German Caucus Meeting

Auch in diesem Jahr sind die deutschsprachigen Teilnehmer an der IFLA-Tagung stark vertreten und nach den USA, die zweitstärkste Teilnehmergruppe.

Eine gute Möglichkeit des gegenseitigen Kennenlernens und Austauschs bietet traditionell das „German Caucus Meeting“, mit aktuellen Berichten von Aktiven im IFLA-Vorstand, der Begrüßung neugewählter Sektionsmitglieder sowie der Mitglieder des Blogger- und Übersetzerteams und des Dolmetscherteams. Weiterlesen


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Aktuelle Berichte aus der Jahrhunderthalle

Das Team der Nachwuchsstipendiaten stellt sich vor

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Die StipendiatInnen vor der Jahrhunderthalle. Von links nach rechts: Simone Waidmann (Koordinatorin), Sebastian Schultheiß, Julia Boltze, Sonja Rosenberger

Der 83. IFLA-Weltkongress hat begonnen und doch irgendwie auch nicht. Der erste Tag ist traditionell den Arbeitstreffen der Sektionen und den Zusammenkünften der Länder- und Sprachgruppen gewidmet, bevor der Kongress dann am zweiten Tag offiziell eröffnet wird. Weiterlesen


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Konferenzstart mit Parkblick

Erster Eindruck von der Konferenz: Angenehm unaufgeregt. Das liegt sicher auch am Konferenzort Wroclaw und dem aufgelockerten Konferenzgebäudeensemble.

Es liegt, drapiert um die Hala Stulecia (Jahrhunderthalle), mitten im weitläufigen Park Szcytnicki, etwa 30 Spazierminuten vom Rynek (Marktplatz) entfernt.

Hala Stulecia

Im Garten: Konferenz-Location Hala Stulecia

Mein erster Einsatz: Teilnahme am Business Meeting 1  „meines“  Committee on Copyright and other Legal Matters. Diesmal für mich als alter Recke zum vorletzten Mal, denn ich werde ausgewechselt gegen eine potente Kollegin aus München.

Eve Woodberry (Australien) leitet das Meeting in gewohnt kenntnisreicher und humorvoller Manier, so dass sich auch nicht first-language-english speakers zu Beiträgen aufgefordert fühlen dürfen.

Neben Statements, Programm, Copyright Reader und weiteren Aktionen des Kommittees wird vor allem über die Verhandlungen im WIPO-SCCR (World Intellectual Property Organzation – Standing Committee on Copyright and Related Rights) zu internationalen Schrankenregeln für Bibliotheken und Archive und dessen Fortgang diskutiert. Input dazu kommt von Geidy Lung (Sekretariat der WIPO) und Karol Kościński, der gerade als  einer der neuen Vizepräsidenten der WIPO ernannt wurde. Karol scheint nicht so ganz besonders angetan zu sein von neuen internationalen Schranken und verweist darauf, dass für nationale Regeln z.B. für Archivkopien gar keine internationalen Regeln nötig seien. Naja, grundsätzlich richtig. Nur: Ihre Wirkung bleibt dann eben beschränkt. Bei internationalen Lizenzverträgen und Multimedia-Inhalten, die auch Software, Filme und Datenbanken enthalten können nationale Gesetze  allein nicht helfen. Natürlich hat Karol Recht, wenn er eine internationale Harmonisierung im Bildungs- und Bibliotheksbereich nicht mit einer bloß EU-weiten Rechtsangleichung vergleichbar hält. Ich meine aber: Die Zeit zum resignieren ist noch lange nicht gekommen. Urheberrecht entwickelt sich laufend weiter. Die Verhandlungen im Urheberrecht waren schon immer zäh und langwierig. Aber die Welt bleibt nicht stehen. Die Realität ist manchmal zu schnell fürs Dicke-Bretter-Bohren, aber das kann kein Grund sein, mit dem Durchwühlen aufzuhören.

Parkbank

Fast alles, was man für den schnellen Blog-Post zwischendurch braucht: Parkbank

Auch schön: Es gibt hier über fade Konferenz-Sandwiches und Alltime-Trockenkuchen hinaus vollwertige Hipster-Mahlzeiten aus der mobilen Schnellküche, einzunehmen an sonnigen Biertischen und gereicht von bärtigen Brillenträgern – da fühlt man sich gleich wie zu Hause.

Nachher gehts zum Meeting mit den anderen TeilnehmerInnen aus Deutschland. Dazu wird morgen berichtet.