BII Stories

Stipendiatenberichte und Neuigkeiten von Bibliothek & Information International


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Audiovisuelles und Multimedia

Die IFLA Sektion Audiovisuelles und Multimedia (AVMS) tagte auf dem World Library and Information Congress WLIC 2017 in Breslau passenderweise in unmittelbarer Nachbarschaft zum Zentrum Audiovisuelle Technologien – Centrum Technologii Audiovizualnych. Weiterlesen

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Wroclaws Bekenntnis zu Weltoffenheit

Immer wieder denke ich an die Rede des Bürgermeisters von Wroclaw beim Closing Event des IFLA WLIC 2017 zurück. Sein klares Statement gegen Nationalismus und für Weltoffenheit wurde zwar oft getwittert, aber ich muss es hier noch einmal aufschreiben:

„I love everything about national culture“, ruft Rafal Dutkiewicz, und fügt nach einer Pause  hinzu: „But I hate everything about nationalism!“ Die IFLA-Delegierten erheben sich zu stehenden Ovationen. Als der Beifall abebbt, setzt der Bürgermeister energisch hinzu:  „Nationalism is like stinking sweat that has to be washed off!“

Ein klares Bekenntnis,  das deutlich macht, das der Weltkongress der Bibliothekare nicht nur eine wirtschaftliche Bedeutung für Wroclaw hat, sondern auch eine politische. Wie schön, heute in Polen solche Worte zu hören.


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Öffentliche Bibliotheken in Wroclaw

 

Bibliothek im Hauptbahnhof

Am letzten Tag dieser wunderbaren Konferenzwoche nehme ich noch an einer Halbtagstour zu drei Öffentlichen Bibliotheken in Wroclaw teil. Sie beginnt in der Bibliothekszweigstelle im Hauptbahnhof, die erst vor Kurzem in der früheren Wohnung des Bahnhofsvorstehers eröffnet wurde. An den Wänden sind die behutsam erhaltenen Reste der Wandbemalungen aus der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts, der Bauzeit des Bahnhofs zu sehen, hinter der Theke das großes Foto einer Bahnhofsuhr. Neben den viel beschworenen Wohnzimmerqualitäten hat die Bibliothek auch eine Bibliotheksküche zu bieten, die etwa für Kinderveranstaltungen mit Übernachtung genutzt wird.  Zum attraktiven Raumangebot zählt auch eine Terrasse mit Blick auf den  Bahnhofsvorplatz (s. Foto) und die schönen Fin de Siècle-Hotels auf der gegenüberliegenden Straßenseite.

Fünf Mitarbeiter sind in der Zweigstelle tätig, die natürlich gern auch für Reisende zur Verfügung steht – leider mit recht eingeschränkten Öffnungszeiten (24 Stunden an vier Öffnungstagen  pro Woche). Die Bibliothekarin zeigt eine Präsentation über das vielfältige Medien- und Programmangebot des Bibliothekssystems Wroclaw und der Zweigstelle im Bahnhof, auf deren umfangreiche Manga-Sammlung sie besonders stolz ist.  Datenbankangebote und die Ausleihe von Kindle-Reader machen auch Onlineangebote zugänglich.  Weiterlesen


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Tschüss, Wroclaw!

Der Kongress ist beendet, und wir hatten eine wunderbare Woche in Wroclaw: Wir durften spannende und inspirierende Vorträge hören, haben alte und neue KollegInnen getroffen und tolle Gespräche geführt.

Wir bedanken uns herzlich für die Unterstützung von BI International, die uns die Reise nach Wroclaw ermöglicht hat.

Tschüss, Breslau, und hoffentlich auf bald in Kuala Lumpur,

Julia Boltze, Sebastian Schultheiß & Sonja Rosenberger


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Open about Open

In der leider in einen zu kleinen Saal gelegten Open Science-Session spricht sich, klar, jeder für Openness aus. Ich habe versucht, auch ohne Blick auf Slides und Referenten ein paar Vortrags-Häppchen mitzubekommen.

Die Referentin von der China National Science Library erörtert die schon lange bestehenden OA-Fördermaßnahmen ihres Landes. Der Chinesische Open-Access-Plan soll den Return on Investment erhöhen: Wenn die auf Staatskosten produzierten Wissenschaftspublikationen frei zugänglich sind, kann natürlich auch der Effekt größer sein. Ein logisches Argument, das auch in Deutschland verstärkt gebracht werden sollte: Die Kosten-Nutzen-Rechnung der Investition in die Wissenschaft fällt bei OA einfach besser aus, weil man mehr und unterschiedlicheres Publikum erreicht. Die Frage nach einer guten Alternativen zum Impact Factor konnte offenbar leider auch in China noch nicht gelöst werden. Genauso wie überall wird auf Scopus und WoS genutzt.

Vanessa Proudman von SPARC listet in ihrem talk “Default to open” Hindernisse und Chancen für den Durchbruch von Open Science auf: Dazu gehören etwa rechtliche Rahmenbedingungen mit zu restriktiven intellectual property rights, die in Zukunft (s. „Ancillary Rights“ für Verlage) sogar das Verlinken von Journal-Artikeln verhindern könnten; Dagegen könnte die Openness als positiver Evaluationsfaktor die Hinwendung zu OA verstärken : Gute Forscher stellen ihre Forschung offen. Das könnte durch starke OA-Policies an den Forschungseinrichtungen mit ensprechenden Briefing Papers erreicht werden.  Helfen könnte auch (noch) mehr Vernetzung der verschiedenen OA-Aktivitäten sowie der Auf- und Ausbau nachhaltiger Infrastruktur. OA-Maßnahmen haben immer noch zu stark Projektcharakter, so dass z.B. auch die Langzeitarchivierung bei OA-Materialien längst nicht flächendeckend garantiert werden kann.  Peter Murray-Rust (ContentMine, UK) stellt fest, daß Bibliothekare, die Forschern das “minen” der lizenzierten Journals verbieten, doch wohl eher auf der Seite der Publisher stehen als auf der der Wissenschaftler aus der eigenen Einrichtung. Mittlerweile sei es ganz normal, Texte durch Maschinen lesen zu lassen. Die altgedienten Bibliothekare sollten sich doch endlich einmal an den jungen Leuten orientieren und von ihnen lernen anstatt zu versuchen, ihnen etwas beizubringen.  Young people are the future ! Da ist was dran. Bibliotheken sollten dafür sorgen, dass Wikidata, auf dem auch die Wikipedia-Daten basieren, im Wege von Text- und Datamining durch ihre Bestände gefüttert wird. Stattdessen schafften sie es nicht einmal, ihre „eigenen“ Dissertationen zu minen.

Reggie Rajo aus Südafrika stößt ins gleiche Horn wie Vanessa: Man muß dafür sorgen, dass OA-Publizieren den Ruf der Wissenschaftler befördert. Studierende können sich die teuren Textbooks einfach nicht leisten und vor die Wahl “Essen oder Lesen ?” gestellt, entschieden sich dann doch viele für die Ernährung.  Niedrigpreis-Angebote, die in Teilen der südlichen Hemisphäre notwendig wären, sind für große Publisher wohl nicht wirtschaftlich. In Südafrika führt die Nichtverfügbarkeit von Lehrmaterialien zu einer Uni-Dropout-Quote von 70 %. Das Projekt „Open Monograph“, in dem u.a. sehr anspruchsvolle Lehrbücher hergestellt werden, ist auch aufgrund der Open-Souce-Software erfolgreich. Weil viele Leute keine Computer besitzen, müssen die Bücher, die mit Multimedia-Inhalten angereichert sind, (z.B. für Medizin), auch auf Smartphones lesbar sein. Problematisch ist allerdings, dass für die Software keine Schulungen dafür verfügbar sind. Reggie ruft zu einer „Dekolonisierung“ des Publizierens auf.