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Stipendiatenberichte und Neuigkeiten von Bibliothek & Information International


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Urheberrecht in der Bibliotheksausbildung und der Infokompetenz-Vermittlung

Heute mal ein ganztägiges Offsite- Meeting an der Universität von Unterschlesien: „Models for Copyright Education in Information Literacy Programs“.

Nach einem multinationalen Allgemein- Überblick die erste ausführliche Session: „Copyright Literacy and Professional Education for Librarians and Information Specialists“. Es geht also erst einmal  um die Urheberrechts-Ausbildung der Bibliothekare selbst. An zentralen Universitäten Indiens nimmt das Thema nach Ansicht von Neelam Thapa zu wenig Raum ein, was auch am Mangel an entsprechend ausgebildeten Lehrpersonal liegt. Ganz im Gegensatz zur Ausbildung in Serbien: Dort wird das Thema ausführlich abgehandet, auch die Plagiatsforschung nimmt nach Information von Tatjana Brzulovic´ viel Raum ein.  Joanna Potega von der Universität Wroclaw hat Webseiten von Bibliotheken analysiert und festgestellt, dass Bibliothekare selbst offenbar nicht selten das Urheberrecht verletzen, obwohl sie doch selbst im Rahmen ihrer Arbeit Experten für „Information Literacy“ sein sollten. Natürlich gehört der rechtliche Rahmen der Verwendung von Ressourcen dazu. Meiner Ansicht nach sind das die Gründe die Verletzungen:

  • Das Thema ist Komplex, der Upload von Bildern ist flüssig in den Alltag zu integrieren. Langes Prüfen und ggf. Nachfragen geht da wohl nicht
  • Ein implizites „risk-assessment“ ergibt (zurecht oder nicht): Es wird nichts passieren
  • Urheberrecht wird nicht ernst genommen

Sara Benson von der University of Illinois stellt ihre „Copyright Mini-Series“ von youtube – Filmchen vor. Die Camtasia-Häppchen von jeweils nur 5 Min. Länge dienen der Einführung der LIS-Studierenden in jeweils einzelne Themen und werden dann in Übungen ergänzt.

Jessica Coates will mit Ihrem LIS-Schulungs-Ansatz zu mehr Mut animieren: Risk minimation anstatt risk elimination. Das finde ich richtig: Man kann in Bibliotheken nicht von vornherein jedes Risiko vermeiden, denn dann wird zu viel sinnvolle Bibliotheksarbeit verhindert. Wichtig für Entscheider ist aber, über die Risiken (z.B. beim Hochladen von Bildern auf die Webseite) halbwegs bescheid zu wissen.

Im Lunch Panel bietet Vincent Bonnet Bibliotheken an, an deren Copyright-Workshops teilzunehmen, um die EU-Perspektive zu vermitteln. Das kann sicher eine schöne Bereicherung sein.

In den Nachmittags-Sessions geht es dann um „Librarians Teaching Faculty and Students: Copyright Literacy in Higher Education“. Die Panelisten stellen hier ihre Lehr-Modelle vor: Sie bestehen teilweise, wie etwas an der Texas A & M Universiy, aus mehreren Modulen aus Online-Einführungen, ergänzenden Workshops und one-to-one consultations von maximal 15 Minuten. An der A & M University gibt es dafür 1 ½ Stellen, die aber für die tausenden Studierenden, die jährlich daran teilnehmen sollen, kaum ausreichen. Im Anschluss stelle ich unser insgesamt 10-stündiges modulares „Publish or Perish“ – Programm zu verschiedenen Aspekten des wissenschaftlichen Publizierens vor, das Aspekte von der Auswahl des Publikationsortes über Plagiate, Finanzierung, Verlagsvertrag, Open Access  und Bildrechte bis zum Forschungsdatenmanagement umfasst. Copyright spielt hier natürlich an vielen Stellen eine Rolle.

monopoly

Das Copyright Monopoly für Wissenschaftler (von Jane Secker, Londnon und Chris Morrisson, Kent)

Ich habe aus dem Ganztags-Workshop wichtige neue Anregungen vor allem zur Form und Skalierung der Vermittlung mitgenommen. Die Schulungen der Urheberrechts-Infokompetenz sind in Deutschland insgesamt wohl vergleichbar wenig verbreitet.

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Denkt man an Afghanistan, werden einem kaum als erstes Bibliotheken in den Sinn kommen. Warum sie aber gerade dort so wichtig sind und was unternommen wird, um sie zu fördern, zeigt ein spannender Beitrag der Poster Session.

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strahlend blauer Himmel, meterhohe Mauern: Besuch im Wroclawer Gefängnis

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