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Stipendiatenberichte und Neuigkeiten von Bibliothek & Information International


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Library welcomes everyone

Skokie Public Library leistet nachhaltige Bibliotheksarbeit im Speckgürtel um Chicago

Bei meinen Recherchen zu Bibliotheken in und um Chicago hat mich Artikel von Andreas Mittrowann über die Bibliothek in Skokie neugierig gemacht und ich habe sie besucht. Ich stoße ich hier auf eine Bibliothek, die über unglaubliche Ressourcen verfügt. Mit 67.000 Einwohnern umfasst das Budget 12 Mio $ (knapp 10 Mio €) und Personalressourcen von 111 Planstellen. Es gibt eine Zentralbibliothek und einen Fahrbibliothek. Das Gebäude umfasst 12370 qm (!), präsentiert einen Bestand von knapp 500.000 (!) Medien.

(Zum Vergleich: Die Stadtbibliothek Heilbronn hat bei einer fast doppelt so großen Einwohnerzahl ein Budget von 3 Mio € und 25 Planstellen die Hautpstelle hat eine Fläche von 3000 qm.)

Die Stadt steht vergleichsweise finanziell sehr gut da, weil sie durch zwei große Shopping-Center ein hohes Steueraufkommen hat. Die Grundsteuer, die Haupteinnahmequelle der Kommune, wurde seit 27 Jahren nicht erhöht.

Die Ausstattung der Bibliothek mit Arbeitsplätzen, Gruppen- und Veranstaltungsräumen ist überragend gut. Es gibt 10 kleinere und 2 größere Gruppenräume sowie einen großen Veranstaltungssaal, ausgestattet mit jeglicher Technik und einem Steinway-Flügel. Hier werden Filme gezeigt, aber auch Musikveranstaltungen und Lesungen durchgeführt. Der Saal wird nur von der Bibliothek bespielt. Das Veranstaltungsbudget beträgt ca. 800.000 $.

Die Bibliothek bietet 60 -70 PC Arbeitsplätze (ohne Katalog), dazu werden noch Notebooks ausgegeben. Die Ausleihe von WLAN-Hotspots und Chromebooks nach Hause ist möglich. Hier geht es darum, einen Beitrag zu Verminderung des „Digital Divide“ zu leisten.

Das Thema Nachhaltigkeit wird intensiv bearbeitet, es gibt eine Arbeitsgruppe mit dem Personal sowie mit Bürgerinnen und Bürgern. Daraus wurde ein Plan entwickelt, der vom „Board of Trustees“ verabschiedet wurde und der jetzt umgesetzt wird. Er umfasst Themen wie Beleuchtung, Recycling, Regularien für den Materialeinkauf. Dächer werden begrünt und der dazugehörige Garten z.Zt. neu gestaltet.

Skokie ist eine Kommune mit sehr hohe Diversität. Die Bibliothek macht daher ein breites Angebot im Bereich „English as a second language (ESL)“.

Die Bibliothek arbeitet seit einigen Jahren intensiv daran, ihre Angebote noch mehr an die Bedürfnisse der „Community“ anzupassen. Dafür gibt es einen „Manager of Community Engagement“. Als besonders wichtige Zielgruppen wurden Senioren, Einwanderer, Familien und Kinder sowie der lokale Handel identifiziert. Im Focus stehen dabei immer die sozial Schwächeren. So haben z.B. viele Senioren nur sehr niedrige Renten und sind daher auf die Angebote der Bibliothek angewiesen. Für Kinder gibt es freie Mahlzeiten am Nachmittag und in den Ferien, Diese Programm soll jetzt auch für Ältere ausgeweitet werden und finden im Rahmen des Programms „Skokie cares“, einer Kampagne zur Begrüßung und Unterstützung aller in Skokie lebenden Menschen, statt. Dies ist eine Kampagne im Rahmen des landesweiten SEED-Programms, an dem die Stadt Skokie und die Bibliothek teilnehmen. Das nationale SEED-Projekt ist ein professionelles Entwicklungsprogramm, das Gemeinschaften schafft , um den persönlichen und gesellschaftlichen Wandel in Richtung größerer Gerechtigkeit und mehr Vielfalt voranzutreiben. Einzelpersonen werden geschult und führen dann Seminare in ihren eigenen Institutionen und Gemeinschaften durch.

Außerdem machen sie sich sehr viel Gedanken darüber, wie sie die Zugänglichkeit (Accessability) der Bibliothek ausweiten können. Ziel ist es, so vielen Menschen wie möglich den Zugang zu einem Bibliotheksausweis zu geben. Dazu wurde z. B. auch die Gebührensperrgrenze sowie die Ausleih- und Verlängerungszeiten erhöht

Außerdem werden die Regeln soweit wie möglich vereinfacht und in einfacher Sprache kommuniziert. Gerade für Zuwanderer kann es sehr schwierig sein, die Spielregeln der Bibliothek zu verstehen. Die Regalbeschriftung (Dewey-Klassifikation) wird mit Bildern zum Sachgebiet ergänzt.

All diese Arbeit zahlt sich in hohen Nutzungs- und Besucherzahlen aus (820.000 Besuche /Jahr) und 2 Mio Entleihungen (Jahresbericht 2017).

Zur Zeit arbeitet die Bibliotheken an einem neuen  Raumkonzept.

 

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Erfolgreiche Teilnahme der deutschen Delegation an ALA Annual Conference in Chicago

Beeindruckt von der Teilnehmerzahl von mehr als 20.000 Personen und von 1.800 angebotenen Programmen kehrte die deutsche Delegation kürzlich vom ALA-Kongress in Chicago zurück. Insgesamt 61 Länder waren vertreten. Die Keynote während der Abschlussveranstaltung hielt Hillary Clinton. In vier Vortragssessions zu den Themen „Bibliotheken in Deutschland“, „Bibliotheksangebote für Geflüchtete“, „Entwicklungen im Management von WBs“ und „Bibliotheken unterstützen Forschung“ vermittelten die 11 Vertreter/innen aus Deutschland einen Einblick in hiesige Trends. Ein erfolgreicher Höhepunkt im Partnerland USA-Deutschland 2016-2019!


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Collaborative Strategies for Successful Library Design and Innovative Use. Satellite Meeting der IFLA Library Buildings and Equipment Section, Chicago 10.-11.08.16, Workshop

Für die Entwicklung neuer Bibliothekskonzepte ist der sichere Umgang mit Instrumenten und Methoden partizipativer Planung entscheidend. Es geht darum, Bedürfnisse und Wünsche der Nutzer zu ermitteln, einzuordnen und in Workshops gemeinsam innovativ zu arbeiten. Das macht die Beteiligung von Architekturbüros nicht überflüssig, denn nur Gestaltungsprofis können die verschiedenen Elemente zusammenhalten und informierte ästhetische Entscheidungen treffen. Aber gerade auch in der Planungsphase des Dokk1 in Aarhus, die derzeit exemplarisch für solche Beteiligungsprozesse steht, hat sich gezeigt, wie förderlich der kollaborative und partizipative Ansatz ist. So wundert es nicht, dass auch beim Satellite Meeting der IFLA Library Buildings and Equipment Section in Chicago am frühen Nachmittag des ersten Tages die gemeinsamen Arbeit mit interaktiven Planungsinstrumenten geübt wurde.

Karen Latimer, Mair Østergård und Elif Tinaztepe auf dem Podium

Karen Latimer führt in den von Marie Østergård (Dokk1) und Elif Tinaztepe (Schmidt Hammer Lassen Architects) geleiteten Workshop ein

In den zwei Workshopphasen wurden zunächst Personas erarbeitet und dann als Grundlage der Evaluation eines gegebenen Grundrisses genutzt. Personas sind fiktive Figuren, die in sich Eigenschaften individueller Bibliotheksnutzer zu Typen vereinen. Sie dienen dazu, herauszufinden, welche spezifischen Bedürfnisse die verschiedenen Gruppen haben und geben damit den oft abstrakten Ergebnissen quantitativer und qualitativer Studien buchstäblich ein Gesicht. Mithilfe von Personas ist es möglich, Nutzungsszenarien durchzuspielen und auf ihr Funktionieren hin zu untersuchen. Im Falle des Dokk1 wurden die bis dahin entwickelten Personas sogar als Aufgabe an die Architekten im Wettbewerb genutzt. Im Workshop selber war es erstaunlich, wie schnell die internationalen Teilnehmer in den jeweiligen Gruppen ohne weitere Grundlage relativ schlüssige und typische Personas entwickelt haben. Nebenbei wurde der nicht ganz unwichtige Aspekt interkultureller Verständigung bei der Entwicklung von Personas entdeckt.

Grundrisse und Arbeitsmaterialien

Die Arbeit mit realitätsnahen Grundrissen machte den Workshop besonders anschaulich

In der zweiten Workshopphase wanderten die Teilnehmer mit den Augen ihrer Persona durch den Grundriss einer Bibliothek. Aufgabe war es, potentielle Probleme und Störfaktoren zu identifizieren, fehlende Einrichtungen, Räume oder Dienstleistungsbereiche zu identifizieren und Dinge zu kennzeichnen, die aus der Perspektive der Persona besonders gut funktionieren. Der Perspektivwechsel wurde von den Teilnehmern sehr gut angenommen und es stellten sich erstaunliche Sichtweisen ein. Deutlich wurde auch, dass eine kritische Herangehensweise in der frühen Planungsphase nicht nur typisch, sondern sogar wünschenswert ist.
Der Workshop war eine willkommene und interessante Abwechslung während des programmatisch sehr dichten ersten Konferenztages. Mal wieder wurde deutlich, wie dankbar interaktive aber auch kreative Elemente aufgenommen werden, die den üblichen Ablauf solcher Konferenzen und Seminare durchbrechen. Die Arbeit im Gruppenmhat allen Teilnehmern nicht nur Spaß gemacht, sondern auch ganz neue Perspektiven eröffnet. Es zeigt sich, dass das neue Denken in Bibliotheken auch neue Arbeitsformen voraussetzt.