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Stipendiatenberichte und Neuigkeiten von Bibliothek & Information International

„Give us your tired, your poor, your huddled masses“

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Am frühen Morgen fand gestern die IRRT Pre-Conference statt, bei der auch Anne Barckow, Silke Taubert-Vikuk und ich unsere Präsentationen hielten. Die Gesamtüberschrift hatte zum Thema, wie Bibliotheken migrantische Bevölkerungsgruppen unterstützen. Teilnehmende mussten für dieses Event umgerechnet knapp 80€ als Eintritt bezahlen. Was erwartete sie in dieser außergewöhnlichen Session?

Die ALA hat zahlreiche „Round Tables“ (vergleichbar beispielsweise mit den dbv-Kommissionen) zu allen möglichen Themen. Der IRRT (International Relations Round Table) hat diese Pre-Conference organisiert und dafür schon Anfang des Jahres angefragt, wer sich aus Deutschland mit Beiträgen beteiligen will. Insgesamt stehen 7 Vorträge auf der Tagesordnung, von denen drei aus Deutschland kommen, sowie eine Begrüßung durch Loida Garcia-Febo.

Der Name „Pre-Conference“ verrät es schon: Diese Session findet VOR der offiziellen Eröffnung durch Michelle Obama statt. Der frühe Session-Beginn um 8 Uhr morgens wird den Teilnehmenden mit einem „Continental Breakfast“ schmackhaft gemacht. Es gibt Kaffee, Tee, Muffins, Cookies und Bagles – für Letztere steht sogar ein Toaster bereit.

Der erste Vortrag widmet sich den unsichtbaren Geflüchteten in den USA: den MexikanerInnen. Die ReferentInnen betonen mehrfach die Verantwortung der Bibliotheken für diese Flüchtlingsgruppe. Die vorgestellten Angebote gehen über Buchgeschenke, muttersprachliche Bibliotheksführungen und andere bekannte Formate nicht hinaus. Umso überraschter bin ich aber, als in der anschließenden Diskussion gefragt wird, wie es um das Thema „Familientrennung“ bei illegalen Grenzüberschreitungen stehe und die ReferentInnen alle BibliothekarInnen dazu aufrufen, ihre Stimme zu erheben: „You’re librarians, you have power!“ Sie alle sollen zu den Telefonen greifen und ihre Kontakte nutzen, um die verheerende Situation zu ändern.

Ein weiterer Vortrag ist den spanisch-sprechenden MigrantInnen gewidmet. Diesmal legen die ReferentInnen einen Schwerpunkt auf spanisch-sprachige Hörbücher. Auch hier appellieren die ReferentInnen an die Macht der BibliothekarInnen und fordern sie auf: Fahrt zu den Buchmessen nach Buenos Aires, Spanien, etc und sprecht mit den Verlegern. Nehmt Einfluss auf deren Veröffentlichungen, indem ihr ihnen erklärt, was von euren Communities angenommen wird und was nicht.

Unter dem Titel „We welcome you to welcome everyone“ stellen mehrere Bibliotheken ihre Services für MigrantInnen vor. Besonders beeindruckend ist darunter das Plaza-Projekt der Public Library of Denver. Gefördert von einem texanischen Öl-Giganten hat die Bibliothek 1,2 Mio USD zur Verfügung, um innerhalb von 5 Jahren in 10 ihrer 27 Zweigstellen spezielle Angebote für Flüchtlinge anzubieten. Diese Angebote umfassen Sprach-Cafés (sowohl für Englisch als auch verschiedene Muttersprachen), Vorbereitungskurse für den Einbürgerungstest, sowie 1:1-Hilfe beim Schreiben von Emails oder der individuellen Arbeitssuche. Dabei bleiben die Teilnehmenden immer anonym, sie brauchen also weder einen Bibliotheksausweis noch eine Einreise- oder Bleibe-Erlaubnis.

Sehr interessant ist auch der Vortrag einer Wissenschaftlerin, die 39 Personen interviewte, die aus Zentralafrika in die USA geflohen waren. In ihren Gesprächen erfragte sie u.a. ihre Fluchtgründe, welche Medien sie für Informationen nutzen und wie ihre aktuelle Situation in den USA ist. In ihrer Zusammenfassung bestätigte die ReferentInnen die immanent wichtige Rolle von Bibliotheken als öffentliche, sichere und vernetzende Orte. Die bibliothekarischen Netzwerke und das freie W-Lan seinen für die Geflüchteten von unschätzbarem Wert.

Zwischen diesen US-amerikanischen Eindrucken

  • Geflüchtete als KollegInnen in der Stadtbibliothek Bremen
  • Nachhaltigkeit der Interkulturellen Arbeit in den Hamburger Öffentlichen Bücherhallen
  • Der virtuelle Klassenraum für Deutschlernende des dbv-Landesverbandes Baden-Württemberg

Auf die Inhalte gehe ich hier nicht näher ein, da sie in Deutschland schon auf verschiedenen Plattformen vorgestellt wurden. Die Reaktionen der amerikanischen KollegInnen auf unsere Arbeiten waren sehr wertschätzend. Mehrere KollegInnen sagten uns, wie inspirierend unsere Arbeit für sie sei. Während wir Anerkennung und Business-Cards entgegennehmen, schreiben deutsche Nachrichten-Ticker, dass der Asylstreit gerade eskaliere…

Die Organisatorinnen der Pre-Conference: Charissa Powell, Elizabeth Soergel und Delin Guerra – zusammen mit den deutschen Referentinnen.

Als Sprecherinnen erhielten wir abschließend Zertifikate als Dank für unsere Präsentationen.

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Autor: bschmedemann

Zielgruppenbeauftragte der Stadtbibliothek Bremen

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